BEWERBUNG UM DIE ORF GENERALDIREKTION

Vom Sender zum Power House.

ORF 2050 – Die strategische Evolution einer Institution.

Mag. Ing. Ernst Primosch

Unternehmerische Führung. Internationale Expertise. Absolute Parteilosigkeit. Für einen ORF, der kompromisslos unabhängig wirkt, modern geführt wird und Österreichs digitale Zukunft sichert.

Foto: Anne-Marie von Sarosdy

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Eingangsstatement

Nicht Fortsetzung des Erwartbaren.

Sondern Aufbruch aus Verantwortung.

Der ORF steht an einem historischen Wendepunkt, an dem bloße Besitzstandswahrung und administrative Verwaltung nicht mehr ausreichen. Österreich hat ein Anrecht auf einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der nicht nur politisch unabhängig ist, sondern in jeder seiner Handlungen auch so wirkt. Ein Medienhaus, das gesellschaftliches Vertrauen nicht einfordert, sondern es sich täglich neu verdient. Ein zukunftsfähiges Ökosystem, das junge Zielgruppen auf Augenhöhe erreicht, ohne sich ihnen anzubiedern, und das Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Bildung, Kultur sowie Regionalität als das begreift, was sie sind: das Fundament einer neuen, zeitgemäßen öffentlichen Kommunikationsordnung.

Als österreichischer Unternehmer und internationaler Strategieberater bewerbe ich mich bewusst von außen – frei von Binnenlogik, unabhängig von Parteiapparaten und ohne persönliche Agenden. Ich bewerbe mich, weil ich davon überzeugt bin, dass meine jahrzehntelange Erfahrung in globaler Führung, moderner Governance, Compliance, Diversity und radikaler digitaler Transformation genau das Profil ist, das der ORF für den Schritt in die nächste Dekade benötigt.

Ich betone mit Nachdruck: Diese Bewerbung erfolgt nicht aus einer Kritik der Schwäche heraus. Im Gegenteil – die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ORF leisten Großartiges. Ich bewerbe mich, weil ich diese bestehenden Stärken ernst nehme und sie konsequent weiterentwickeln will. Mein Ziel ist es, aus diesem starken Fundament ein digitales Power House zu bauen, das Relevanz, Wirtschaftlichkeit und höchste journalistische Glaubwürdigkeit perfekt vereint.

Executive Summary in 12 Thesen

Die Vision für den ORF lässt sich in zwölf Thesen verdichten. Sie sind die Leitplanken für Strategie, Organisation und Führung.

1. Der ORF bleibt notwendig, aber nicht automatisch legitimiert.

Seine Legitimität entsteht nicht aus Gewohnheit, sondern aus täglich nachweisbarem öffentlichem Mehrwert.

2. Der ORF ist künftig weniger Senderverbund als öffentliche Infrastruktur.

Er sendet weiterhin, aber er muss zusätzlich verifizieren, erklären, bilden, archivieren, übersetzen, verbinden und Orientierung geben.

3. Unabhängigkeit ist keine Behauptung, sondern ein System aus Verfahren.

Transparenz, Redaktionsschutz, Interessenkonfliktregeln, Compliance, Public Editor und nachvollziehbare Qualitätsprozesse sind strategische Führungsaufgaben.

4. Digitalisierung ist kein Kanalwechsel, sondern ein Wechsel der Organisationslogik.

ORF ON, ORF SOUND, ORF KIDS, ORF Lernen, Archive, Daten und KI müssen zu einem integrierten Public-Service-Ökosystem werden.

5. Der ORF muss zur verlässlichsten Verifikationsinstanz Österreichs werden.

Im KI-Zeitalter zählt nicht maximale Geschwindigkeit, sondern überprüfbare Wahrheit, transparente Korrektur und nachvollziehbare Einordnung.

6. Bildung wird vom Randthema zum Kernauftrag.

ORF Lernen soll ein frei zugängliches, barrierefreies, mehrsprachiges und kooperatives Lernökosystem für Schule, Erwachsene, Demokratie und KI-Kompetenz werden.

7. Die Landesstudios sind kein Kostenproblem, sondern strategische Knoten.

Regionalität ist Vertrauens-, Kultur-, Bildungs- und Resilienzpolitik - besonders in einer zentralisierten Plattformöffentlichkeit.

8. Kultur und Archive sind im KI-Zeitalter strategische Rohstoffe.

Der ORF besitzt österreichisches Gedächtnis. Dieses Gedächtnis muss kuratiert, geöffnet und intelligent zugänglich gemacht werden.

9. KI wird eine Kernkompetenz, aber nicht die redaktionelle Letztinstanz.

Menschen verantworten; KI unterstützt. Synthetische Inhalte werden gekennzeichnet. Archive, Metadaten und Nutzungsdaten bleiben unter Public-Value-Governance.

10. Der ORF muss groß sein können, ohne imperial zu wirken.

Digitale Stärke ist notwendig; der Maßstab ist aber Public Value, nicht Klickwettbewerb gegen private Medien.

11. Europa wird vom Kooperationsraum zum Produktions- und Verifikationsraum.

KI-Übersetzung, gemeinsame Rechte, Archive, Faktenprüfung, Bildungsinhalte und Standards schaffen eine neue Public-Service-Allianz.

12. 2050 braucht Österreich keinen ORF, der nur sendet, sondern einen ORF, der demokratische Orientierung organisiert.

Das ist die eigentliche Transformationsaufgabe: nicht Nostalgie, sondern Zukunftsfähigkeit der Republik.

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PROFIL

Worin diese Kandidatur anders ist

Diese Kandidatur tritt nicht gegen Personen an, sondern für eine neue Qualität der Führung: unabhängig, governance-stark, digital visionär, kulturell verantwortlich und kompromisslos auf den gesellschaftlichen Mehrwert (Public Value) ausgerichtet.

Journalismus

Journalismus & mediale Prägung

  • Die Schnittstelle von Relevanz und Wirkung: Jahrzehntelange Führungserfahrung an den Hebeln von Medienwirkung, Publikum, Markenvertrauen, Reichweite und Reputation.

  • Strategische Tiefe: Steuerung und Bewertung von globaler Medienpräsenz in Konzernen, die TV- und Kommunikationswirkung mit dreistelligen Millionenbudgets präzise analysieren und nutzen.

  • Das journalistische Fundament: Rund zehn Jahre aktive Praxis als Journalist – das unbestechliche Handwerk und der Respekt vor der redaktionellen Unabhängigkeit sind tief in der eigenen Biografie verankert.

Transformation

Transformation ohne Kahlschlag

  • Wachstum durch Wertschöpfung: Nachweisbare Erfolgsbilanz in der strategischen Weiterentwicklung von Großorganisationen. Sanierung und Modernisierung erfolgen hier nicht durch den billigen Kahlschlag von Personal, sondern durch kompromisslose Qualität, klare Fokussierung der Ressourcen und eine höhere Wertschöpfung.

Führung

Führung & globale Verantwortung

  • Internationale Konzern-DNA: Langjährige globale Verantwortung beim Weltkonzern Henkel für das strategische Management von Reputation, Unternehmensmarke, Kommunikation, Corporate Social Responsibility (CSR) und internationalem Krisenmanagement.

  • Unternehmerische Exzellenz: Seit 2010 als internationaler Unternehmensberater und Sparringspartner für marktführende Unternehmen und das Top-Management an den entscheidenden Transformations-Schnittstellen tätig.

Digital

Digitaler Pioniergeist & Technologie

  • Technologie von Anfang an verstanden: Konsequenter Early Adopter und digitaler Vorreiter, der bereits in den Pionierjahren des Internets eine der ersten Websites in Europa und einen der ersten Suchindizes im deutschsprachigen Raum realisiert hat.

  • Die Zukunft im Blick: Heute tiefgehend KI-affin, digital visionär und bereit, den ORF technologisch an die Spitze der europäischen Public-Service-Medien zu führen.

Governance

Governance, Compliance & Diversity

  • Gelebte Führungsrealität: 25 Jahre Verankerung in internationalen Unternehmenskulturen, in denen rigorose Compliance, echte Gleichstellung und modernste Governance-Standards keine Lippenbekenntnisse, sondern tägliche Praxis sind.

  • Institutionelle Schutzwälle: Führungskompetenz, die Unabhängigkeit und Transparenz durch gläserne Prozesse mathematisch überprüfbar und immun gegen externe Einflussnahme macht

Werte

Werte & Unabhängigkeit

  • Der parteilose Demokrat: Keinem Parteiapparat und keinen Binnennetzwerken verpflichtet, sondern exklusiv dem Rechtsstaat, der Menschenwürde, der Freiheit, der persönlichen Verantwortung und dem gesetzlichen öffentlichen Auftrag.

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VISION ORF 2050

Ein öffentlich-rechtlicher ORF für das Morgen

ORF 2050 ist kein dogmatischer Masterplan, sondern ein strategischer Entwurf und eine Einladung zum Aufbruch. Das Original umfasst mehr als 30 Seiten.

Digitaler Public Value

ORF ON, Audio, Archive, Bildung und regionale Angebote müssen zu einem echten digitalen Public-Value-System werden.

ORF Lernen

Ein öffentlich-rechtliches Bildungsangebot für Schule, Erwachsene, Medienkompetenz, Demokratiebildung und KI-Kompetenz.

Public Value Lab

Ein Denk-, Daten- und Dialograum für Zukunftsfragen: nicht parteipolitisch, sondern transparent und plural.

Vertrauen

Unabhängigkeit muss nicht nur bestehen, sondern sichtbar werden: durch Verfahren, Transparenz, Redaktionsschutz und glaubwürdige Führung.

Kultur & Gedächtnis

Archive, Kultur, regionale Erinnerung und österreichische Kreativität als strategische Infrastruktur im KI-Zeitalter.

Europa

Öffentlich-rechtliche Medien sollten bei Verifikation, KI-Übersetzung, Archiven, Bildung und Standards stärker kooperieren.

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Foto: BOC / AI adapted

Foto: BOC / AI adapted

Der unabhängige Bewerber Ernst Primosch über seine ORF-Kandidatur, politische Einflussnahme, Managergehälter, ORF.at, Skandale, mögliche Teams – und warum er den ORF nicht kleiner, sondern besser machen will.

„Die Wahl des ORF-Generaldirektors ist hochpolitisch. Warum tun Sie sich das überhaupt an?“

Weil es um viel geht. Um den ORF, um Medienvielfalt, um Demokratie, um Kultur und um die Frage, wie Österreich in den nächsten Jahrzehnten miteinander spricht. Der ORF ist keine normale Firma. Er ist eine öffentliche Infrastruktur. Wenn diese Infrastruktur schwach wird, verliert das ganze Land. Ich bewerbe mich nicht, weil ich einen Job suche. Ich bin österreichischer Unternehmer, internationaler Unternehmensberater, führe zwei Unternehmen und bin sehr zufrieden mit dem, was ich tue. Beim ORF würde ich wahrscheinlich weniger verdienen als heute, aber es gibt Aufgaben, die größer sind als die eigene Karriere. Der ORF ist so eine Aufgabe.

„Sie kommen nicht aus dem ORF. Ist das nicht ein Nachteil?“

Es ist Risiko und Chance zugleich. Ich kenne den ORF nicht aus der Binnenroutine. Aber genau das ist auch mein Vorteil. Ich bin nicht Teil jener Strukturen, die heute kritisiert werden. Ich komme mit Respekt vor dem Haus, ohne Betriebsblindheit und mit der großen Erfahrung als Berater für einige der größten Unternehmend er Welt. Der ORF braucht Menschen, die ihn kennen. Aber er braucht auch Führung, die nicht aus seinen Abhängigkeiten kommt. Ich bringe internationale Erfahrung, Compliance-Kultur, Transformation und ein klares Zukunftsbild mit.

„Hatten Sie Kontakte mit der Politik?“

Ich spreche mit demokratischen Entscheidungsträgern, wenn es um eine so wichtige Institution geht, doch ich haben mich niemandem angebiedert. Das ist normal. Aber ich gehöre keiner Partei an, ich bin keiner Partei verpflichtet und ich möchte auch keiner Partei etwas schulden. Ein ORF-Generaldirektor muss mit allen reden können – Regierung, Opposition, Ländern, Stiftungsrat, privaten Medien, Kultur, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Aber er darf sich keiner Seite zuordnen lassen.

„Glauben Sie, dass die Wahl schon ausgedealt ist?“

Ich hoffe nicht, bin mir aber als gelernter Österreicher nicht sicher. Ich trete an, weil ich glaube, dass der ORF eine echte Auswahl verdient und niemand sagen kann, es hätte keine gute Alternative gegeben. Wenn alles schon vorher feststeht, wäre das ein schlechtes Signal an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, an das Publikum und an die Republik. Ich bewerbe mich offen, mit einem Konzept, mit einem starken Lebenslauf und mit einer klaren Haltung. Mehr kann man in einem solchen Verfahren nicht tun. Aber ich erwarte mir, dass am Ende Qualität, Unabhängigkeit und Zukunftsfähigkeit zählen.

„Sie glauben also an eine faire Wahl?“

Ich glaube daran, dass der Stiftungsrat eine große Verantwortung trägt. Er entscheidet nicht nur über eine Person. Er entscheidet darüber, ob der ORF wieder Vertrauen gewinnt oder ob viele Menschen sagen: Es bleibt ohnehin alles beim Alten. Ich bin Demokrat. Daher respektiere ich Verfahren. Aber ich erwarte mir auch, dass Verfahren ernst genommen werden.

„Wie soll sich der ORF weiterentwickeln?“

Ich stelle meine Hauptaussage an den Anfang: Der ORF soll und kann eine Power House werden, eine neue Kraft für das Land - und das ins Sachen Demokratie, Wissen, der generativen KI und nicht zuletzt in Sachen Freude, sprich Unterhaltung. Noch klarer: Er darf nicht nur ein Senderverbund mit digitalen Anhängseln bleiben. Er muss zur öffentlichen Infrastruktur für Vertrauen, Wissen, Kultur und demokratische Orientierung werden. Das heißt: starke Information, starke Kultur, starke Regionen, starke Bildung, starke Archive, starke Audio- und Videoangebote, klare KI-Regeln und digitale Angebote, die junge Menschen wirklich erreichen und die das Bild von Österreich in einer Welt, die immer mehr von KI bestimmt wird, maßgeblich im Guten beeinflusst. Der ORF soll nicht größer um des Größerseins willen werden. Er soll besser, klarer, unabhängiger und moderner werden. Der ORF soll ein Powerhouse werden.

„Können Sie das in drei oder vier Punkten konkretisieren?“

  1. Vertrauen zurückgewinnen. Durch redaktionelle Unabhängigkeit, Compliance, Transparenz und eine Kultur, in der Machtmissbrauch keinen Platz hat.

  2. Digitalisierung ernst nehmen. ORF ON, Audio, Archive, Bildung und regionale Angebote müssen zu einem echten digitalen Public-Value-System werden. Eine der wichtigsten zukünftigen Rollen des ORF wird seine Funktion als Quelle valider generativer Information für die weltweiten KIs sein, denn diese werden das Bild von Österreich sehr bald sehr maßgeblich bestimmen.

  3. Kultur und Bildung/Wissen stärken. Der ORF ist nicht nur Nachrichten und Unterhaltung. Er ist auch Gedächtnis, Bühne und Klassenzimmer der Republik. Der ORF kann der wichtigste Thinktank Österreich werden und die Menschen auf das, was kommen wird, besser vorzubereiten.

  4. Organisation modernisieren. Weniger Silos, weniger Doppelgleisigkeit, mehr Teamarbeit, klare Verantwortung, bessere Führung und faire Chancen für Frauen und Talente.

„60 Prozent Unterhaltung, 40 Prozent Kultur und Information – muss sich das ändern?“

Der ORF braucht Unterhaltung. Menschen wollen lachen, entspannen, gemeinsam schauen. Öffentlich-rechtliche Unterhaltung ist legitim. Aber die Frage sei immer erlaubt: Zahlt ein Format auf den Auftrag ein? Stärkt es österreichische Kreativität? Erreicht es Menschen, die der ORF sonst verliert? Ist es fair produziert? Ist es finanzierbar? Was bewirkt es? Dann kann Unterhaltung sehr wohl öffentlich-rechtlich sein. Was der ORF nicht darf: Unterhaltung als Ausrede verwenden, um seine Kernaufgaben zu schwächen.

„Sollen Formate wie Dancing Stars weitergehen oder soll der ORF lieber selbst entwickeln?“

Beides kann sinnvoll sein. Der ORF soll nicht aus Prinzip alles selbst erfinden. Aber er könnte mehr eigene Handschrift entwickeln. Österreichische Geschichten, österreichische Talente, österreichische Kultur und neue digitale Formate gehören stärker in den Mittelpunkt. Wenn gespart werden muss, dann zuerst in der Struktur, in Doppelgleisigkeiten und in ineffizienten Abläufen – nicht zuerst beim Programm, das Menschen erreicht.

„Sind die Managergehälter im ORF angemessen?“

Spitzenfunktionen, die Leistung erbringen, müssen ordentlich bezahlt werden. Aber beim ORF gilt ein besonders strenger Maßstab: Das Publikum zahlt mit. Daher müssen Gehälter transparent, nachvollziehbar und an Verantwortung sowie Leistung gebunden sein. Wer öffentlich-rechtlich führen will, darf nicht den Eindruck erwecken, sich selbst zu bedienen. Führung im ORF ist Dienst an einer Institution, nicht Privileg.

„Sie haben 25 Jahre in Deutschland und internationalen Unternehmen gearbeitet. Geht es dort anders zu?“

Ja, in vielen Bereichen deutlich. Ich habe lange in Strukturen gearbeitet, in denen Compliance, Diversity, Gleichstellung, Reporting und Governance tägliche Führungsrealität waren. Bei Edelman in einem US-amerikanisch geprägten Unternehmen, bei Hill+Knowlton in einem internationalen WPP-Netzwerk. Dort lernt man: Vertrauen entsteht nicht durch schöne Worte. Vertrauen entsteht durch klare Regeln, überprüfbare Verantwortung und Konsequenz sowie Leistung.

DAS INTERVIEW MIT ERNST PRIMOSCH

„Der ORF kann und soll ein Power House werden!“

„Ist das, was jetzt im ORF kritisiert wird, ORF-typisch?“

Überall, wo Macht konzentriert ist, kann Macht missbraucht werden. Das ist nicht ORF-typisch. Aber ein öffentlich-rechtlicher ORF muss höhere Standards erfüllen als viele andere Organisationen. Der ORF braucht eine Kultur, in der Menschen gerne arbeiten, aber auch geschützt sind. Eine Kultur, in der Leistung zählt, nicht Nähe. In der Frauen faire Chancen haben. In der Führung kontrollierbar ist. Und in der Kritik nicht als Illoyalität gilt.

„Sie sprechen viel über Gleichstellung. Wie glaubwürdig ist das bei einem männlichen Kandidaten?“

Glaubwürdigkeit entsteht durch Praxis. Bei Henkel waren drei meiner vier globalen Top-Führungskräfte Frauen. Auch in meinen Teams waren Frauen immer in der Mehrheit. Für mich war das kein Programm für die Galerie. Es war normale gute Führung. Gute Organisationen fördern Talente – unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Netzwerk.

„Waren die Skandale der Grund für Ihre Bewerbung?“

Nein. Sie waren nicht der Grund. Aber sie zeigen, warum Veränderung notwendig ist. Ich bewerbe mich, weil ich glaube, dass der ORF für Österreich unverzichtbar ist. Gerade deshalb darf man ihn nicht schönreden. Man muss ihn stärken, modernisieren und dort verändern, wo Vertrauen beschädigt wurde.

„Soll der ORF weiter über die Haushaltsabgabe finanziert werden oder über das Budget?“

Das entscheidet der Gesetzgeber. Aber eines ist klar: Finanzierung ist Unabhängigkeitsfrage. Wenn der ORF jedes Jahr politisch um sein Geld zittern muss, schwächt das seine Unabhängigkeit. Ich bin für eine Finanzierung, die transparent, effizient, sozial erklärbar und möglichst unabhängig von kurzfristiger parteipolitischer Opportunität ist.

„Soll der Stiftungsrat verkleinert und entpolitisiert werden?“

Auch das ist Sache des Gesetzgebers. Aber der ORF braucht jedenfalls eine Governance, die Unabhängigkeit nicht nur behauptet, sondern sichtbar macht. Es geht nicht darum, demokratische Kontrolle abzuschaffen. Es geht darum, parteipolitische Verfügbarkeit zu verhindern. Ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk muss demokratisch legitimiert sein, darf aber nicht parteipolitisch disponibel wirken.

„Was heißt das konkret?“

Klare und öffentliche Besetzungsverfahren. Transparente Interessenkonflikte. Nachvollziehbare Entscheidungen. Starke Redaktionsstatuten. Compliance. Ombudsstellen. Und eine Führung, die politische Interventionen nicht als Normalität behandelt. Unabhängigkeit ist kein Gefühl. Unabhängigkeit ist ein System aus Regeln, Haltung und persönlicher Standfestigkeit.

„Zurück zu Ihrer Bewerbung: Glauben Sie wirklich nicht, dass alles schon ausgedealt ist?“

Ich weiß, wie Österreich funktioniert. Aber ich weigere mich, Zynismus zum Programm zu machen. Wenn man glaubt, dass ohnehin alles entschieden ist, darf man sich nicht wundern, wenn sich nichts ändert. Ich trete an, weil ich überzeugt bin: Der ORF verdient eine echte Alternative.

„Haben Sie ein Personalpaket?“

Nein. Ich kandidiere nicht mit einem Hinterzimmerpaket. Ich kandidiere mit einem Konzept und mit einer Haltung. Aber eines ist klar: Wenn ich Verantwortung übernehmen sollte, würde ich die besten Leute suchen – im ORF und außerhalb. Der ORF hat hervorragende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Man muss ihr Wissen nutzen, nicht ignorieren.

„Könnten Sie sich vorstellen, andere Kandidaten oder bestehende ORF-Führungskräfte in ein Team zu holen?“

Ja, wenn es dem ORF dient. Ich schließe Zusammenarbeit nicht aus. Im Gegenteil: als Unternehmensberater weiß ich, dass Führung auch bedeutet, vorhandenes Wissen zu nutzen. Als Berater und Unternehmer habe ich oft genau so gearbeitet: Man beginnt nicht bei null, sondern prüft, was in einer Organisation bereits vorhanden ist. Das spart Zeit, verhindert Fehlentwicklungen und integriert Erfahrung. Ein Generaldirektor muss nicht alles allein wissen. Er muss die richtigen Menschen zusammenbringen.

„Also auch eine Generalsekretärin oder ein Generalsekretär aus dem bestehenden System?“

Das kann man diskutieren. Der aktuelle Auswahlprozess ist auf die Generaldirektion ausgerichtet, aber organisatorisch gibt es Möglichkeiten, Erfahrung, interne Kenntnis und Erneuerung zu verbinden. Entscheidend ist nicht der Titel. Entscheidend ist: Der ORF braucht ein Führungsteam, das unabhängig, kompetent, modern und loyal gegenüber dem Auftrag ist – nicht gegenüber Lagern.

„Würden Sie auch eine andere Funktion übernehmen, wenn Sie nicht Generaldirektor werden?“

Ich bewerbe mich um die Funktion des Generaldirektors. Darauf ist mein Konzept ausgerichtet. Aber ich bin kein Egotaktiker. Wenn es eine Konstellation gäbe, die dem ORF wirklich nützt und die meinen Beitrag sinnvoll macht, würde ich darüber nachdenken. Entscheidend ist nicht persönliche Eitelkeit, sondern der Nutzen für den ORF.

„Das klingt nach Koalitionsangebot.“

Nein, es ist ein Führungsverständnis. Der ORF ist zu wichtig für Eitelkeiten. Wer ihn erneuern will, muss Menschen verbinden können. Ich komme nicht, um Gräben zu vertiefen. Ich komme, um eine Richtung zu geben.

„Was sagen Sie zu Kandidaten, die aus der österreichischen Medienwelt kommen?“

Ich bewerbe mich nicht gegen Personen. Jeder Kandidat bringt eigene Stärken mit. Mein Profil ist anders. Ich komme nicht aus der österreichischen Medienbinnenwelt und nicht aus einem Parteiapparat. Ich bringe internationale Führung, Governance, Compliance, Turnaround-Erfahrung, digitale Pionierarbeit und eine Vision ORF 2050 mit.

„Sie wurden von einem großen Medium kaum beachtet. Ärgert Sie das?“

Medien entscheiden selbst, worüber sie berichten. Aber ich glaube, dass das Publikum ein Recht auf unterschiedliche Profile hat. Wenn nur über die Erwartbaren berichtet wird, bleibt auch die Debatte erwartbar. Ich bin eine andere Kandidatur. Und genau deshalb lohnt es sich, sie anzusehen.

„Was wäre Ihre Haltung zu ORF.at? Manche wollen den ORF online kleiner machen.“

ORF.at darf nicht einfach aus Marktinteressen heraus geschrumpft werden. Aber ORF.at muss klarer nach Public Value geführt werden. Der ORF soll nicht privaten Medien mit beliebigen Textmassen Konkurrenz machen. Aber er darf sich auch nicht aus der digitalen Öffentlichkeit zurückziehen. Information, Verifikation, Video, Audio, Archiv, Bildung und regionale Orientierung müssen dort stattfinden, wo Menschen heute sind – also auch digital.

„Soll der ORF Marktmotor oder Marktgegner sein?“

Er muss Marktmotor für Qualität sein. Nicht Marktgegner. Nicht Marktverdränger. Aber auch nicht Bettvorleger privater Interessen. Der ORF soll mit privaten Medien kooperieren, wo das sinnvoll ist. Aber sein Auftrag kommt vom Publikum und vom Gesetz – nicht von Verlagen, Parteien oder Plattformen.

„Was ist Ihr Satz zur ORF-Zukunft?“

Der ORF muss Vertrauen nicht einfordern, sondern neu verdienen. Er muss unabhängig sein und unabhängig wirken. Er muss moderner werden, ohne beliebig zu werden. Und er muss den Mut haben, Österreich nicht nur zu unterhalten, sondern zu orientieren. Schlussendlich: Ich bewerbe mich nicht, weil ich den ORF für schwach halte. Ich bewerbe mich, weil ich seine Stärken ernst nehme — und weil ich glaube, dass aus diesen Stärken eine neue Zukunft gebaut werden kann.

„Was ist, wenn es am 11. Juni nicht so ausgeht, wie Sie sich das wünschen?“

Dann habe ich trotzdem einen Beitrag geleistet. Ich habe eine Alternative formuliert, ein Konzept vorgelegt und eine Debatte angestoßen. Bis dahin geht es nicht um persönliche Kränkung oder Taktik. Es geht um einen starken, souveränen, unabhängigen ORF. Dafür trete ich an.

ORF Strategie- & Transformations-Simulator

Umschichtung von Bürokratie/Overhead direkt in den Content.
Effizienz-Plus: 30%
Verlagerung von klassischen TV/Radio-Ressourcen zu ORF ON & Social-Plattformen.
Digital-Fokus: 40%
Entpolitisierung und Einführung rein qualitätsbasierter Besetzungsverfahren.
Unabhängigkeit: 50%
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Junge Reichweite
0%
Glaubwürdigkeit
0%
Finanzstabilität
Strategisches Primosch-Prinzip: Eine Erhöhung der Verwaltungseffizienz setzt blockierte Budgets frei, die ohne Zusatzkosten direkt in die digitale Relevanz fließen, während transparente Governance das Vertrauen absichert.

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Zur Person

Mag. Ing Ernst Primosch ist österreichischer Unternehmer, internationaler Unternehmensberater und ehemaliger Global Vice President eines DAX-Unternehmens und ehemaliger Journalist.

Bei Henkel war er global für das Corporate Brand Management, Corporate Communications und CSR verantwortlich. Mit “A Brand like a Friend” positionierte er das Chemieunternehmen weltweit als Markenartikler neu. Zuvor wirkte er maßgeblich am Aufbau von Henkel Central Eastern Europe als Wien-Hub mit.

Später führte er die internationalen Beratungsunternehmen Hill+Knowlton Strategies und Edelman erfolgreich und gewinnbringend – ohne Personalabbau und nur durch höhere strategische Wertschöpfung und neue, starke Visionen. Heute berät er große und internationale Unternehmen, Organisationen oder Destinationen wie das Land Kärnten, BYD Deutschland oder ALDI SÜD, an dessen neuen Claim und Purpose “Gutes für alle.” er maßgeblichen gearbeitet hat.

Primosch ist parteilos und bewirbt sich mit einem mehr als 30-seitigen Konzept ORF 2050: Darin heißt es unter anderem, der ORF soll zur öffentlichen Infrastruktur für Vertrauen, Wissen, Kultur, Bildung, Verifikation und demokratisch werden.

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Fragen an Ernst Primosch

I. Motivation, Unabhängigkeit & Das Profil

1. Warum bewerben Sie sich?

Weil der ORF vor der größten Transformationsaufgabe seiner Geschichte steht. Die gewohnte Binnenlogik reicht dafür nicht mehr aus. Ich bringe die internationale Erfahrung in digitaler Transformation, moderner Governance und dem Aufbau von Vertrauenskulturen mit, die das Haus jetzt für den Sprung in das Jahr 2050 braucht.

2. Warum wollen Sie Ihre erfolgreiche Tätigkeit als Unternehmer und Berater für den ORF aufgeben?

Ich gebe sie nicht auf, ich bringe sie ein. Wenn eine demokratisch so entscheidende Institution an einem Wendepunkt steht, ist es eine Pflicht, internationale Top-Management-Expertise in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Es ist der Wechsel von der Beratung zur direkten Verantwortung.

3. Sind Sie mit Ihrer heutigen Tätigkeit nicht mehr zufrieden?

Im Gegenteil, mein Beratungsgeschäft ist hochgradig erfolgreich. Aber genau das ist der Punkt: Diese Bewerbung ist keine Flucht aus Unzufriedenheit, sondern eine absolut bewusste, unabhängige Entscheidung für eine gesellschaftlich herausragende Aufgabe.

4. Geht es Ihnen ums Geld?

Nein. Als internationaler Top-Berater und Unternehmer bewegt man sich in völlig anderen wirtschaftlichen Realitäten. Wer sich wegen des Geldes für das ORF-Generaldirektorium bewirbt, hat die Komplexität und den politischen Druck dieser Aufgabe nicht verstanden. Der Reiz liegt ausschließlich im Gestaltungsauftrag.

5. Ist das ein Prestigeprojekt für Sie?

Prestige ist der schlechteste Ratgeber für Sanierungs- und Transformationsaufgaben. Mich interessiert nicht der Titel auf der Visitenkarte, sondern die operative Chance, den ORF als digitales Power House für die Republik aufzustellen.

6. Was ist Ihr stärkstes Argument?

Die einzigartige Kombination aus medialer Frühprägung, technologischer Kompetenz und jahrzehntelanger internationaler Sanierungs- und Führungserfahrung. Ich weiß, wie man verkrustete Großorganisationen modernisiert, ohne die Identität der Teams zu zerstören.

7. Wodurch unterscheidet sich Ihre Bewerbung von anderen?

Ich bin der einzige Kandidat im engsten Kreis, der nicht aus der österreichischen Medienbinnenwelt oder aus Parteiapparaten kommt. Das gibt mir die nötige Distanz, um blinde Flecken und überlebte Routinen radikal aufzubrechen – bei gleichzeitig tiefem Respekt vor der journalistischen Leistung des Hauses.

8. Sind Sie ein ernsthafter Kandidat oder nur ein Sichtbarkeitskandidat?

Ich bin ein absolut ernsthafter Kandidat mit einem fundierten strategischen Konzept. Natürlich kenne ich die politischen Mechanismen dieses Verfahrens. Aber gerade weil das so ist, braucht der Stiftungsrat eine echte, qualitätsbasierte Alternative außerhalb der gewohnten Binnenlogik.

9. Sie gelten nicht als politischer Favorit. Warum treten Sie trotzdem an?

Weil eine Demokratie und ihre Institutionen von echten Alternativen leben. Wenn nur noch diejenigen antreten, deren Posten im Hinterzimmer bereits akkordiert wurde, schafft sich das Verfahren selbst ab. Wer verändern will, muss Gesicht zeigen.

10. Sind Sie ein Anti-ORF-Kandidat?

Ganz im Gegenteil: Ich bin ein leidenschaftlicher Pro-ORF-Kandidat. Gerade weil ich den öffentlich-rechtlichen Rundfunk für die demokratische Hygiene des Landes für unverzichtbar halte, fordere ich seine mutige und kompromisslose Modernisierung.

11. Sind Sie ein Kandidat gegen das System?

Ich trete nicht gegen Menschen an, sondern für bessere Verfahren. Ich bin der Kandidat für moderne Führung, lückenlose Transparenz und die Befreiung des ORF aus den Fesseln parteipolitischer Zuschreibungen.

12. Was ist Ihre zentrale Botschaft?

Der ORF darf Vertrauen nicht länger als gegeben voraussetzen, er muss es sich täglich neu verdienen. Durch absolute Unabhängigkeit, messbare Qualität und eine moderne Führungskultur machen wir den ORF zu einem unübersehbaren Power House für ganz Österreich.

II. Politik, Unabhängigkeit & Governance

13. Gehören Sie einer Partei an?

Nein. Ich bin vollkommen parteifrei.

14. Warum betonen Sie Ihre Parteilosigkeit so stark?

Weil der ORF an einem massiven Glaubwürdigkeitsdefizit leidet. Parteilosigkeit allein löst das Problem nicht, aber sie ist das einzig saubere Fundament, um der Öffentlichkeit zu signalisieren: Die Ära der politischen Postenschacherei ist an der Spitze dieses Hauses vorbei.

15. Sind Sie politisch?

Ich bin ein zutiefst politischer Geist im Sinne eines überzeugten Demokraten. Mein Wertefundament ist unumstößlich: Rechtsstaatlichkeit, Menschenwürde, Freiheit, Eigenverantwortung und der absolute Respekt vor unabhängigen Institutionen.

16. Wo stehen Sie politisch?

Auf dem festen Boden der liberalen Demokratie. Für das Amt des Generaldirektors ist nicht das persönliche Parteibuch entscheidend, sondern die bedingungslose Haltung zur Unabhängigkeit und die Treue zum gesetzlichen Auftrag.

17. Sie kennen viele Spitzenpolitiker persönlich. Ist das ein Problem?

Nein, es ist eine professionelle Notwendigkeit. In meiner Zeit in Deutschland war ich mit Friedrich Merz ebenso im Austausch wie mit Sigmar Gabriel – beide verbindet mit mir die Mitgliedschaft in der Atlantik-Brücke. Ein Generaldirektor muss mit allen demokratischen Kräften auf Augenhöhe sprechen können, ohne sich von einer einzigen vereinnahmen zu lassen.

18. Wie gehen Sie mit politischem Druck um?

Mit professioneller Standfestigkeit und sofortiger Transparenz. Wer versucht, Druck auf die Führung des ORF auszuüben, muss wissen, dass das im Zeitalter moderner Governance sofort dokumentiert und unbespielbar gemacht wird.

19. Ist der ORF politisiert?

Die Wahrnehmung in der Bevölkerung ist verheerend. Um diese lähmenden Zuschreibungen zu durchbrechen, reichen Sonntagsreden nicht mehr. Wir brauchen institutionelle Schutzwälle und gläserne Verfahren, die Unabhängigkeit mathematisch überprüfbar machen.

20. Wie verhindern Sie politische Einflussnahme konkret?

Durch die konsequente Einführung internationaler Compliance-Standards: lückenlos transparente Besetzungsverfahren, schriftlich dokumentierte Abgrenzungen von Aufsichtsrat und Operative, sowie den kompromisslosen Schutz der Redaktionsstatuten.

21. Was bedeutet Unabhängigkeit für Sie persönlich?

Unabhängigkeit ist kein lautes Dauerfeuer gegen die Politik. Sie ist ein funktionierendes System aus innerer Haltung, transparenten Prozessen und der operativen Bereitschaft, im Ernstfall das unbequeme „Nein“ durchzusetzen.

22. Wem gehört der ORF?

Seinem Publikum und dem gesetzlichen Auftrag – und zwar exklusiv. Er gehört weder den Parteien, noch den Verlagen, noch den Tech-Plattformen und am allerwenigsten den eigenen, historisch gewachsenen Binnenroutinen.

III. Das Profil: Kommunikation, PR & Journalismus

23. Sind Sie ein PR-Mann?

Dieses Etikett greift viel zu kurz. Ich bin internationaler Unternehmensberater und Unternehmer. Strategische Kommunikation und Reputationsmanagement sind wesentliche Werkzeuge moderner Transformation, aber mein Kernprofil ist die Führung und Sanierung komplexer Organisationen.

24. Ist Ihre PR-Erfahrung für den ORF nicht problematisch?

Nur für diejenigen, die Kommunikation mit Propaganda verwechseln. Ich verstehe strategische Kommunikation als das genaue Gegenteil: als die Verpflichtung zu Klarheit, Transparenz und dem messbaren Aufbau von Vertrauen. Das ist genau das, was dem ORF heute fehlt.

25. Was unterscheidet Kommunikation von Journalismus?

Journalismus recherchiert, ordnet ein und informiert vollkommen unabhängig. Kommunikation vermittelt und erklärt Interessen. Ein Generaldirektor muss diese Trennlinie nicht nur theoretisch kennen, sondern sie als oberster Hüter des Hauses institutionell absichern.

26. Haben Sie überhaupt genug journalistische Erfahrung?

Ich kenne das Handwerk von der Pike auf. Ich war fast zehn Jahre als freier Journalist tätig, unter anderem bei der Kärntner Tageszeitung (KTZ). Diese Frühprägung – das Arbeiten unter extremem Zeitdruck, das Ringen um das präzise Wort und die publizistische Verantwortung – sitzt tief.

27. Warum ist diese journalistische Praxis für Ihre Bewerbung relevant?

Weil ich die Sprache der Redaktion spreche. Ich betrachte den ORF nicht nur durch die Brille des Betriebswirts oder des Beraters. Wer selbst im Newsroom saß, hat einen natürlichen Respekt vor der Unabhängigkeit der journalistischen Arbeit.

28. Was haben Sie in Ihrer Zeit als Journalist gelernt?

Die unbedingte Demut vor den Fakten und das unbestechliche Gespür für Themen. Diese Grundhaltung verliert man im Laufe einer Karriere nicht – sie schärft den Blick für Qualität.

29. Welche Rolle spielte der Bayerische Rundfunk in Ihrer Biografie?

Während meiner Studienzeit in Erlangen habe ich im Hörspielbereich des BR mitgearbeitet. Das war meine Initialzündung für audiovisuelle Qualität, Dramaturgie und die enorme handwerkliche Tiefe, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk auszeichnet.

30. Warum erwähnen Sie ein frühes Musikvideo-Projekt aus dieser Zeit?

Weil es beweist, dass ich schon vor Jahrzehnten ein digitaler Pionier war und mich mit neuen, disruptiven Medienformen auseinandergesetzt habe. Ich war nie ein Verwalter des Status quo, sondern immer auf der Suche nach der Zukunft des Mediums.

31. Besteht der ORF für Sie nur aus Information?

Nein, der ORF ist ein hochkomplexer Kultur- und Bildungsauftrag. Er umfasst Information, Fiktion, Unterhaltung, Regionalität, Hochtechnologie, Audio und das größte Archiv des Landes. Genau für diese Vielfalt braucht es eine ganzheitliche, moderne Führungslogik und kein reines Chefredakteurs-Denken.

32. Was bedeutet redaktionelle Unabhängigkeit unter Ihrer Führung?

Die Redaktionen arbeiten inhaltlich vollkommen frei. Die Generaldirektion steuert niemals einzelne Beiträge oder personelle Befindlichkeiten, sondern sie sichert die Ressourcen, definiert die Qualitätsstandards und baut den Schutzwall gegen externe Begehrlichkeiten.

IV. Führungserfahrung & Internationale Management-Praxis

33. Was war Ihre wichtigste Erfahrung beim Weltkonzern Henkel?

Die globale Verantwortung für Milliardenmarken und komplexe Teams unter extremem Reputationsdruck. Bei Henkel habe ich täglich an der Schnittstelle von Medienwirkung, internationaler Governance und Publikumsvertrauen gearbeitet – in einer Organisation, die Medienwirkung mit dreistelligen Millionenbudgets präzise analysiert und steuert.

34. Was hat Henkel mit dem ORF zu tun?

Der ORF ist kein Konsumgüterkonzern. Aber die Kernkompetenzen moderner Führung – strategische Fokussierung, Krisenfestigkeit, der Aufbau globaler Markenreputation und stringente Governance – sind eins zu eins übertragbar. Wer einen Tanker wie Henkel steuern kann, kann auch den ORF reformieren.

35. Was bedeutete Henkel CEE für Ihre Verankerung in Österreich?

Ich war maßgeblich daran beteiligt, Henkel Central Eastern Europe von Wien aus als schlagkräftigen regionalen Hub für über 30 Länder aufzubauen. Das war harte, erfolgreiche Aufbauarbeit aus Österreich heraus, die mir gezeigt hat, wie man regionale Stärken international skaliert.

36. Was war Ihre konkrete Leistung als CEO bei Hill+Knowlton?

Ich habe eine tief in den roten Zahlen steckende Traditionsagentur übernommen und sie innerhalb von 24 Monaten in die Gewinnzone geführt. Und zwar ausdrücklich nicht durch den billigen Kahlschlag von Personal, sondern durch eine massive Erhöhung der strategischen Wertschöpfung und neue Führungskultur.

37. Was war Ihre Rolle bei Edelman?

Die Herausforderung war ähnlich, aber durch die Marktgröße ungleich komplexer. Als CEO gelang mir die wirtschaftliche Trendwende innerhalb eines einzigen Jahres. Auch hier lautete das Erfolgsrezept: Fokus auf kompromisslose Qualität, klare Priorisierung der Ressourcen und respektvolle, moderne Führung.

38. Bedeutet das, Sie wollen beim ORF den brutalen Sparkurs fahren?

Nein. Der ORF braucht keine kaputtgesparte Verwaltung, sondern ökonomische Disziplin und strategische Umschichtung. Mein Ziel ist die Transformation: Wir müssen Ineffizienzen in der Verwaltung abbauen, um diese Millionen direkt in die Produktion von zukunftsfähigem Content zu investieren.

39. Können Sie betriebsbedingte Kündigungen oder Personalabbau ausschließen?

Kein seriöser Top-Manager gibt pauschale Garantien ab, bevor er eine detaillierte Due-Diligence-Prüfung durchgeführt hat. Meine Erfolgsbilanz zeigt aber: Nachhaltige Sanierung beginnt bei der Struktur und den Prozessen, nicht beim Abbau von Talenten.

40. Was bedeutet moderne Unternehmenskultur für Sie im Kern?

Absolute Transparenz, gelebte Compliance, echte Gleichstellung, flache Hierarchien und der konsequente Schutz der Mitarbeiter vor jeglicher Form von Machtmissbrauch. Kultur entsteht, wenn eine Vision über den Einzelinteressen steht.

41. Warum sprechen Sie so auffallend viel über Compliance?

Weil Vertrauen das einzige Kapital des ORF ist. Dieses Vertrauen sichert man nicht durch Sonntagsreden, sondern durch gläserne Prozesse, unbestechliche Regeln und eine Kultur, in der persönliche Verantwortung auch tatsächlich überprüfbar ist.

42. Was bringen Ihre 25 Jahre Erfahrung in Deutschland für diese österreichische Funktion?

Den unschätzbaren Blick von außen und den höchsten Standard internationaler Führungskulturen. In Deutschland sind Compliance, professionelle Governance und echte Gleichstellung seit langem gelebte Managementrealität und keine Lippenbekenntnisse.

43. Was bedeutet Ihre Erfahrung bei Edelman und H+K für das Thema Governance?

Als CEO unter US-amerikanischer Eigentümerlogik und innerhalb des börsennotierten WPP-Netzwerks gehört rigoroses Reporting, Risikomanagement und lückenlose Compliance zu meiner täglichen DNA. Diese Professionalität will ich auf den Küniglberg bringen.

44. Halten Sie den ORF im Bereich Compliance für rückständig?

Ich verzichte auf Pauschalurteile aus der Distanz. Fest steht aber: Ein von der gesamten Bevölkerung finanzierter öffentlich-rechtlicher Rundfunk darf sich bei Governance und Compliance keine Grauzonen mehr erlauben. Er muss die absolute Benchmark des Landes sein.

45. Wie stehen Sie zum Thema Diversity?

Diversity ist für mich kein modisches Trendwort und kein Feigenblatt. Sie ist ein knallharter Erfolgsfaktor für jede moderne Organisation. Wenn unterschiedliche Perspektiven und Talente fair gefördert werden, steigt die Qualität des Gesamtprodukts massiv.

46. Wie glaubwürdig sind Sie persönlich beim Thema Gleichstellung?

Meine gesamte Management-Praxis belegt das: Bei Henkel wurden drei meiner vier globalen Top-Führungskräfte von Frauen besetzt. In meinen Agentur-Teams waren Frauen traditionell in der Überzahl – und zwar auf allen Hierarchieebenen. Ich rede nicht über Frauenförderung, ich lebe sie seit Jahrzehnten.

47. Wie würden Sie Ihren persönlichen Führungsstil beschreiben?

Absolut klar und unmissverständlich in der strategischen Richtung, maximal respektvoll und partnerschaftlich im menschlichen Umgang, konsequent und messbar in der operativen Umsetzung.

V. Die Vision: ORF 2050 & Public Value

48. Was verbirgt sich hinter Ihrem Konzept „ORF 2050“?

Der radikale Entwurf, den ORF von einer klassischen, linearen Sendeanstalt alten Typs in die modernste öffentliche Infrastruktur für Vertrauen, Wissen, Bildung und digitale Orientierung im gesamten deutschen Sprachraum zu transformieren.

49. Ist „ORF 2050“ ein fertiger, unumstößlicher Masterplan?

Nein. Es ist ein intellektuelles und strategisches Führungsangebot – eine klare Diskussionsgrundlage, die Aufbruch signalisieren soll und die ich gemeinsam mit den Expertinnen und Experten im Haus verfeinern werde.

50. Warum braucht der ORF überhaupt eine so weitreichende Vision?

Weil man eine tief verunsicherte Institution nicht mit technokratischem Kleinmut und billigen Marketingsprüchen rettet. Ohne eine große, inspirierende Idee wird der ORF nicht reformiert, sondern nur zu Tode verwaltet.

51. Was ist Ihre wichtigste strategische These zur ORF-Zukunft?

Der ORF darf nicht länger ein linearer Senderverbund mit ein paar digitalen Ausspielkanälen sein. Er muss sich als die zentrale, öffentlich-rechtliche Plattform für verifizierte Inhalte und gesellschaftlichen Diskurs neu erfinden.

52. Was meinen Sie mit „öffentlicher Infrastruktur für Vertrauen“?

Im Zeitalter von Fake News, Deepfakes und algorithmischer Polarisierung braucht eine Demokratie einen unerschütterlichen Fels in der Brandung. Der ORF muss der Ort sein, an dem Information garantiert verifiziert, Kultur barrierefrei zugänglich und Bildung digital erlebbar ist.

53. Was ist das von Ihnen geforderte „ORF Public Value Lab“?

Ein transparenter Denk- und Datenraum, in dem der gesellschaftliche Mehrwert des ORF kontinuierlich und wissenschaftlich fundiert gemessen und weiterentwickelt wird – im direkten, permanenten Dialog mit dem Publikum.

54. Was genau soll „ORF Lernen“ leisten?

Das modernste digitale Bildungsportal der Republik. Von der digitalen Schulausstattung über die Erwachsenenbildung bis hin zur Vermittlung von KI- und Medienkompetenz. Wir müssen Bildung aus den verstaubten Ecken holen und öffentlich-rechtlich pulsieren lassen.

55. Wird der ORF durch solche Projekte nicht viel zu groß und dominant?

Nicht, wenn er sich strikt auf seinen Public-Value-Kern fokussiert. Der ORF soll nicht alles machen und privaten Märkten Konkurrenz machen – er soll das tun, was der Markt nicht abbilden kann: Qualität, Tiefe und verlässliche Bildung sichern.

56. Was ist Ihr zentraler Leitsatz für die Zukunft des Hauses?

Der ORF muss absolut unabhängig sein und in jeder Sekunde unabhängig wirken. Er muss maximal modernisiert werden, ohne seine Identität zu verlieren, und er muss sich das Vertrauen seines Publikums jeden Tag neu verdienen.

57. Was wäre Ihr allererstes Signal nach außen an die Bevölkerung?

Das unmissverständliche Versprechen radikaler Transparenz. Der ORF wird sich nie wieder defensiv hinter seinem gesetzlichen Auftrag verstecken, sondern offensiv beweisen, wie effizient und qualitätvoll er jeden Cent der Haushaltsabgabe einsetzt.

58. In Deutschland wird intensiv ein externer Medienrat diskutiert. Was sagt das über öffentlich-rechtliche Medien aus?

Es ist ein unüberhörbares Alarmsignal. Es zeigt, dass die Gesellschaft die automatische Legitimität der öffentlich-rechtlichen Sender nicht mehr akzeptiert. Die Sender haben verlernt, verständlich zu erklären, welchen konkreten Mehrwert sie für die Bürger stiften.

59. Ist diese Debatte ein Misstrauensvotum der Politik und Gesellschaft?

Ja, so ehrlich muss man sein. Aber ich begreife dieses Signal als enorme Chance: Es ist die historische Aufforderung, die Bringschuld der Rechenschaftspflicht endlich radikal und professionell anzunehmen.

60. Braucht Österreich Ihrer Meinung nach auch einen solchen externen Medienrat?

Die Entscheidung liegt beim Gesetzgeber. Mein Ansatz für den ORF ist operativer Natur: Wir führen sofort eine neue Praxis der Transparenz ein – mit klaren Public-Value-Kriterien und unabhängiger, wissenschaftlicher Evaluation, die eine externe Aufsicht im besten Fall erübrigt.

61. Soll sich der ORF seine Auftragserfüllung also viel härter messen lassen?

Unbedingt. Nur schwache und verunsicherte Institutionen haben Angst vor einer objektiven Bewertung ihrer Performance. Ein selbstbewusster ORF dokumentiert stolz, was er leistet, legt offen, wo er scheitert, und zeigt präzise, woran er arbeitet.

62. Reicht die nackte Einschaltquote oder Reichweite als Maßstab für den Erfolg aus?

Nein, das ist das Denken des letzten Jahrhunderts. Reichweite ist die Pflicht, Relevanz ist die Kür. Wir müssen nicht nur fragen, wie viele Menschen aufgedreht haben, sondern was der Inhalt bei ihnen bewirkt hat und ob er das gesellschaftliche Vertrauen stärkt.

63. Welche Kriterien würden Sie für diese moderne Auftragserfüllung anlegen?

Ein multidimensionales Zielsystem: Digitale Nutzbarkeit, journalistische Vielfalt, nachweisbare Ausgewogenheit, Innovationsgeschwindigkeit, Barrierefreiheit und vor allem die regionale Verankerung gepaart mit dem Vertrauensindex des Publikums.

64. Und wer soll diese Kriterien überprüfen?

Eigenprüfung ist wertlos. Wir brauchen eine Kombination aus interner Qualitätssteuerung, einer permanenten externen wissenschaftlichen Begleitung und einer institutionalisierten Feedback-Schleife direkt aus der Zivilgesellschaft.

65. Was unterscheidet den von Ihnen vorgeschlagenen „ORF-Wirkungsbericht“ von der bisherigen Praxis?

Die Radikalität im Detail. Der bisherige Bericht ist oft eine gut polierte Broschüre zur Selbstdarstellung. Ein echter Wirkungsbericht ist ein schonungsloses, datenbasiertes Management-Tool, das Erfolge feiert, aber strukturelle Defizite offenlegt und korrigiert.

66. Klingt das nicht nach noch mehr lähmender Bürokratie für die Redaktionen?

Nur wenn es von Bürokraten aufgesetzt wird. Modernes Daten-Reporting läuft vollautomatisiert im Hintergrund. Gute Steuerung befreit die Redaktionen von administrativen Scheingefechten und gibt ihnen die datenbasierte Sicherheit, was beim Publikum wirklich ankommt.

67. Braucht der ORF also mehr externe Kontrolle?

Er braucht messbare Rechenschaft gegenüber dem Beitragszahler, nicht mehr politische Kontrolle. Kontrolle darf niemals bedeuten, dass die Politik noch näher an die Redaktionstüren rückt.

68. Wie verhindern Sie, dass aus Kontrolle ein politischer Zugriff wird?

Indem wir die operative Führung komplett von der politischen Aufsicht trennen. Wenn die Kriterien für Qualität und Besetzungen gläsern und im Vorfeld definiert sind, schrumpft der Raum für informelle politische Interventionen gegen null.

69. Was wäre Ihr konkretes Gegenmodell zum gewohnten parteipolitischen Zugriff?

Die kompromisslose Professionalisierung nach dem Vorbild internationaler börsennotierter Aufsichtsräte. Demokratische Legitimation und Kontrolle: Ja. Parteipolitische Freunderlwirtschaft und Postenschacherei: Konsequentes Nein.

70. Was erwarten Sie in diesem Zusammenhang vom Stiftungsrat?

Dass er seine historische Verantwortung als echtes Governance- und Aufsichtsorgan wahrnimmt. Der Stiftungsrat muss sich entscheiden, ob er als verlängerter Arm politischer Klubzwänge Teil des Problems bleiben oder als Hüter der Unabhängigkeit Teil der Lösung werden will.

71. Was bedeutet journalistische „Ausgewogenheit“ für Sie im digitalen Zeitalter?

Ausgewogenheit ist keine mathematisch-mechanische Stoppuhr, die jeder Partei exakt dieselbe Sekundenzahl einräumt – das führt zu journalistischer Beliebigkeit (False Balance). Ausgewogenheit bedeutet, alle gesellschaftlich relevanten Strömungen faktenbasiert, fair, unvoreingenommen und in ihrer gesamten Tiefe abzubilden.

72. Wie gehen Sie mit dem permanenten Vorwurf um, der ORF sei in seiner Berichterstattung einseitig?

Man darf diese Vorwürfe weder arrogant abtun noch vor ihnen einknicken. Die einzig wirksame Antwort ist die totale Offenlegung der journalistischen Handwerksregeln: eine gelebte, transparente Fehlerkultur, die strikte Trennung von Nachricht und Meinung und die lückenlose Verifikation.

73. Braucht der ORF einen sogenannten „Wahrheits-TÜV“?

Den Begriff lehne ich ab – er riecht nach staatlicher Zensur. Was der ORF stattdessen braucht, ist eine weltweit führende Verifikations-Infrastruktur: eine Speerspitze gegen Desinformation, die Deepfakes in Echtzeit entlarvt und KI-generierte Inhalte glasklar für das Publikum kennzeichnet.

74. Was wäre der spürbarste Kulturwechsel unter einer Generaldirektion Ernst Primosch?

Der Abschied von der defensiven Wagenburg-Mentalität. Weg von der arroganten Selbstbehauptung („Wir wissen, was gut für euch ist“), hin zum stolzen, datenbasierten Nachweis unseres gesellschaftlichen Nutzens. Weniger politische Binnendiplomatie, mehr unternehmerische Dynamik.

75. Wie muss der ORF intern schneller und agiler werden?

Indem wir die verkrusteten Abteilungssilos einreißen. Wir müssen bei digitalen Produkten, KI-Integration, Barrierefreiheit und strategischen Entscheidungen in Wochen statt in Jahren rechnen, ohne dabei jemals die handwerkliche journalistische Sorgfalt zu opfern.

VI. Technologie, Innovation, KI & Junge Zielgruppen

76. Was bedeutet die viel beschworene „digitale Transformation“ für Sie ganz konkret?

Es bedeutet das Ende des Denkens in klassischen Sendeplätzen. Digitale Transformation heißt nicht, das fertige ZIB-Video nachträglich ins Netz zu stellen. Es bedeutet eine völlig veränderte Produktlogik, agile, plattformübergreifende Teams, radikale Datenkompetenz und eine extrem dynamische Distributionsgeschwindigkeit.

77. Wie wollen Sie junge Menschen zurückholen, die den ORF längst abgeschrieben haben?

Garantiert nicht durch peinliche Anbiederung oder das Kopieren von Influencer-Formaten. Junge Menschen verlangen Relevanz, handwerkliche Exzellenz und mobile Barrierefreiheit. Wir müssen exklusive, hochqualitative Inhalte nativ für Social Video und Audio entwickeln und mit starken, glaubwürdigen Köpfen besetzen.

78. Ist das Erreichen der jungen Zielgruppen für Sie eine reine Quotenfrage?

Nein, es ist die existenzielle Überlebens- und Legitimationsfrage des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Wenn wir eine gesamte Generation an die Algorithmen von TikTok, Meta und YouTube verlieren, entziehen wir der Haushaltsabgabe innerhalb der nächsten zehn Jahre die demokratische Basis.

79. Ist das lineare Fernsehen damit für Sie tot?

Nein, das lineare Fernsehen bleibt für Millionen Österreicher ein wichtiger Ankerpunkt. Aber es darf nicht mehr das alles dominierende Zentrum des Denkens sein. Wir müssen linear stark bleiben, um ältere Zielgruppen zu sichern, und non-linear massiv investieren, um die Zukunft zu gewinnen.

80. Wie sieht Ihre konkrete Strategie im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) aus?

Wir nutzen KI überall dort kompromisslos, wo sie den Public Value und die Effizienz steigert: bei automatisierten Übersetzungen, der Barrierefreiheit, der intelligenten Archivsuche und der Echtzeit-Verifikation von Bildmaterial. Die redaktionelle und publizistische Letztverantwortung bleibt jedoch unumstößlich in menschlicher Hand.

81. Darf KI jemals eigenständig Nachrichten produzieren und veröffentlichen?

Nein. KI ist ein exzellentes Werkzeug zur Unterstützung und Recherche, aber sie trägt keine ethische Verantwortung. Journalismus ist ein zutiefst menschliches Handwerk, das auf Haltung, Verantwortung und Gewissen basiert.

82. Wie rüsten Sie den ORF gegen die Bedrohung durch hochprofessionelle Deepfakes auf?

Durch den Aufbau einer führenden Cyber-Security- und Verifikations-Unit im Haus. Der ORF muss das verlässliche Gütesiegel der Republik werden: Wenn ein Video auf ORF.at läuft, muss die Bevölkerung die absolute Gewissheit haben, dass es echt und geprüft ist.

83. Was verstehen Sie unter dem Begriff „digitale Souveränität“ für den ORF?

Dass wir uns nicht wehrlos in die totale Abhängigkeit der amerikanischen und chinesischen Big-Tech-Plattformen begeben. Der ORF muss die Hoheit über seine eigenen Daten, seine Distributionswege, seine Archive und seine KI-Sprachmodelle behalten, um erpressbar zu bleiben.

84. Warum erwähnen Sie in Ihrer Bewerbung historische Meilensteine wie henkel.co.at und den Henkel WWW-Index?

Weil sie beweisen, dass digitale Pionierarbeit seit über drei Jahrzehnten zu meiner DNA gehört. Ich habe das Internet und seine disruptiven Kräfte nicht erst gestern verstanden, sondern neue Technologien immer als Erster erkannt, erprobt und erfolgreich in Wertschöpfung übersetzt. Diese Haltung braucht das Haus heute mehr denn je.

85. Was bringt Ihre persönliche KI-Erfahrung konkret in das Generaldirektoren-Amt ein?

Ich betrachte KI weder mit naiver Euphorie noch mit technologiefeindlicher Angst. Ich nutze KI seit Jahren strategisch zur Simulation von Managemententscheidungen und zur Steigerung der operativen Performance. Genau diese nüchterne, ergebnisorientierte Führungskompetenz bringe ich mit.

86. Welche Rolle spielen die historischen ORF-Archive in Ihrer Strategie?

Das Archiv ist kein verstaubter Keller, sondern der wertvollste Kulturschatz unseres Landes und ein gigantischer digitaler Rohstoff. Wir müssen dieses Archiv komplett digitalisieren, kuratieren und es für Bildung, Wissenschaft und die breite Öffentlichkeit spielerisch nutzbar machen.

87. Welche strategische Bedeutung messen Sie dem Bereich Audio und Podcast bei?

Eine fundamentale. Audio ist das mobilste, persönlichste und vertrauensstärkste Medium der Zukunft. Während die visuelle Aufmerksamkeit der Menschen begrenzt ist, wächst der Audiomarkt rasant. Hier müssen wir die Marktführerschaft von Ö3 und Ö1 radikal in die digitale Podcast-Welt verlängern.

88. Wie intensiv muss der ORF in Zukunft kooperieren?

Drastisch mehr als heute. Die Ära, in der der ORF als arroganter Solitär agierte, ist vorbei. Wir müssen tiefgreifende Allianzen mit Universitäten, Schulen, Kultureinrichtungen, privaten Medienhäusern und europäischen Public-Service-Partnern eingehen. Öffentlich-rechtlich bedeutet Teamplay, nicht Isolation.

89. Greift ein digital erstarkter ORF damit nicht zwangsläufig die privaten Medien an?

Ein starker ORF schützt den gesamten österreichischen Medienstandort, weil er als verlässlicher Anker gegen globale Plattform-Monopole wirkt. Unser Wettbewerber sitzt nicht in Wien oder Salzburg, sondern im Silicon Valley.

90. Wie definieren Sie ein faires Verhältnis zu den privaten Verlagen in Österreich?

Von absolutem Respekt, Fairness und echter Kooperationsbereitschaft geprägt. Der ORF wird seine gesetzliche Rolle konsequent ausfüllen, aber er wird dies im Dialog tun und private Medien durch gemeinsame technologische Plattformen und Content-Synergien unterstützen, statt sie unfair zu verdrängen.

91. Wie lautet Ihre strategische Ausrichtung für die Zukunft der Plattform ORF.at?

ORF.at muss sich konsequent auf seine Kernaufgabe fokussieren: Hochqualitative, verifizierte Information, tiefgehende Analysen, eingebettetes Video- und Audiomaterial und regionale Tiefe – sauber abgegrenzt von rein kommerziellen, boulevardesken Textmassen.

VII. Finanzen, Struktur & Ressourcen-Allokation

92. Ist der ORF zu teuer?

Die eigentliche, betriebswirtschaftliche Frage lautet: Erfüllt er seinen gesetzlichen Auftrag mit der maximalen Effizienz? Jeder Euro aus der Haushaltsabgabe muss spürbar in die Qualität auf dem Bildschirm und auf den Displays fließen – nicht in administrative Doppelstrukturen oder bürokratischen Overhead.

93. In welche Bereiche würden Sie unternehmerisch sofort investieren?

In den investigativen Qualitätsjournalismus, in agile digitale Produktentwicklung, in eine zukunftsweisende KI-Infrastruktur, in digitale Bildungsformate, die Barrierefreiheit und in die gezielte Entwicklung von Content für junge Zielgruppen.

94. Und wo genau werden Sie den Rotstift ansetzen und sparen?

Exklusiv dort, wo administrative Strukturen historisch überwuchert sind, Doppelgleisigkeiten zwischen der Zentrale und Regionen bestehen oder Prozesse rein bürokratischen Selbstzweck erfüllen. Eine konkrete Bezifferung erfolgt unmittelbar nach einer professionellen Due-Diligence-Prüfung.

95. Wie wollen Sie die ambitionierten Ziele von „ORF 2050“ ohne Gebührenerhöhungen finanzieren?

Durch echte, mutige Priorisierung und die strikte Umschichtung von Budgets. Wenn wir den administrativen Overhead konsequent zurückfahren, setzen wir genau die Millionen frei, die wir für die digitale Content-Offensive benötigen. Das ist klassisches, erfolgreiches Transformations-Management.

96. Wie soll der ORF in Zukunft mit dem Bereich der Unterhaltung umgehen?

Unterhaltung hat eine absolute öffentlich-rechtliche Berechtigung, wenn sie intelligent ist, Menschen verbindet, die österreichische Identität und Kreativwirtschaft stärkt und sich qualitativ unmissverständlich vom kommerziellen Einheitsbrei abhebt.

97. Muss der ORF unter Ihrer Führung zwangsläufig kleiner werden?

„Kleiner“ ist keine betriebswirtschaftliche Kategorie, die mich interessiert. Mein Ziel ist „besser, schärfer fokussiert und maximal wirksam“. Ein effizienter, digital relevanter ORF ist am Ende größer in seiner gesellschaftlichen Wirkung als je zuvor.

98. Wie wollen Sie die starre Organisation des ORF konkret modernisieren?

Wir brechen die alten, trägen Abteilungssilos auf und führen eine moderne, agile Matrix-Organisation ein. Redaktion, Technologie und Distribution müssen in fächerübergreifenden Produktteams radikal zusammengeschweißt werden. Das verkürzt Entscheidungswege dramatisch.

99. Was erwarten Sie als neuer Generaldirektor von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Hauses?

Die unbedingte Bereitschaft zur Erneuerung, absolute Professionalität und den Mut, eingetretene Pfade zu verlassen. Im Gegenzug garantiere ich den maximalen Respekt vor ihrem handwerklichen Wissen, absolut faire, transparente Karriereverfahren und den unumstößlichen Schutz ihrer redaktionellen Freiheit.

VIII. Kooperation, Führungsethik & Persönliches

100. Könnten Sie sich im Sinne des Hauses eine enge Zusammenarbeit mit unterlegenen Mitbewerbern vorstellen?

Selbstverständlich. Professionelle Führung bedeutet, das beste verfügbare Wissen für das Unternehmen zu sichern und persönliche Eitelkeiten komplett dem gemeinsamen Erfolg unterzuordnen. Wer dem ORF nützen kann, ist im Team herzlich willkommen.

101. Treten Sie mit einem bereits fix fertigen, im Hinterzimmer akkordierten Personalpaket an?

Nein, genau das unterscheidet mich von der Binnenlogik des Systems. Ich kandidiere nicht mit politischen Absprachen, sondern mit einem glasklaren strategischen Konzept und einer unbestechlichen Haltung. Posten werden unter meiner Führung ausschließlich nach Qualifikation vergeben.

102. Kritiker könnten fragen: Sind Sie mit über 60 Jahren nicht zu alt für die radikale digitale Transformation des ORF?

Im Gegenteil: Die digitale Transformation von Großorganisationen ist kein Spielfeld für Anfänger – sie erfordert maximale Erfahrung, Urteilskraft und absolute Unabhängigkeit. Ich bringe die perfekte Kombination aus unerschöpflicher Energie, digitalem Pioniergeist und jahrzehntelanger internationaler Krisen- und Sanierungskompetenz mit.

103. Sind Sie durch Ihre lange Karriere nicht viel zu sehr „Deutschland-geprägt“ für den österreichischen Rundfunk?

Ich bin stolzer Österreicher, habe von Wien aus erfolgreich die gesamte CEE-Region gesteuert und danach internationale Konzerne geführt. Meine intensive Erfahrung im größten Medienmarkt Europas ist kein Nachteil, sondern ein unschätzbarer Asset, um den ORF vor dem provinziellen Blickwinkel zu schützen.

104. Ihnen wird vorgeworfen, Sie seien im ORF-Apparat überhaupt nicht vernetzt. Wie wollen Sie das Haus führen?

Dass ich in den internen Seilschaften nicht vernetzt bin, ist mein allergrößter strategischer Vorteil. Ich schulde niemandem im Haus einen Gefallen, bringe keinerlei Altlasten oder Abhängigkeiten mit und kann vollkommen objektiv, fair und sachorientiert führen.

105. Bestehen bei Ihnen aktuelle unternehmerische Interessenkonflikte mit dieser Funktion?

Nein. Im Falle meiner Bestellung werden sämtliche unternehmerischen Funktionen, Beiratsmandate und Beteiligungen rechtlich absolut sauber und lückenlos geordnet, übertragen oder beendet. Meine Unabhängigkeit und zeitliche Verfügbarkeit für den ORF sind absolut kompromisslos.

106. Was passiert am Tag 1 nach Ihrer Wahl mit Ihren eigenen Beratungsunternehmen?

Die operative Führung wird sofort und vollständig in die Hände meiner Partner übergeben. Es wird vor meinem Amtsantritt auf dem Küniglberg nicht den geringsten Hauch einer rechtlichen oder organisatorischen Unvereinbarkeit geben.

107. Was wird Ihr allererster operativer Schritt im Amt sein?

Zuhören, die echten Leistungsträger im Haus identifizieren und sofortiges Vertrauen aufbauen. Gleichzeitig werde ich unmissverständlich klarstellen, dass der Begriff „Modernisierung“ ab sofort kein unverbindliches Schlagwort mehr ist, sondern tägliche Management-Realität.

108. Wie lautet Ihr allererster Satz in der ersten Gesamtredaktionssitzung an die ORF-Belegschaft?

„Ich bin nicht gekommen, um Ihnen Ihr journalistisches Handwerk zu erklären – das beherrschen Sie großartig. Ich bin gekommen, um Ihnen den Rücken freizuhalten, die Strukturen zu modernisieren und gemeinsam mit Ihnen den ORF zukunftsfähig zu machen.“

109. Und wie lautet Ihr erster Satz über die Bildschirme direkt an das österreichische Publikum?

„Dieser ORF gehört ab heute wieder ausschließlich seinem gesetzlichen Auftrag und Ihnen, dem Publikum – und keinem einzigen politischen Parteiapparat.“

110. Was passiert, wenn der Stiftungsrat sich am Ende doch für die gewohnte politische Binnenlogik entscheidet und Sie nicht wählt?

Dann habe ich der Republik dennoch bewiesen, dass es erstklassige, unabhängige Alternativen gibt. Ich habe eine wichtige Debatte über die Zukunft unserer Medienordnung angestoßen und ein professionelles Konzept hinterlassen. Es geht hier nicht um persönliche Befindlichkeiten, sondern um die Zukunft des ORF.

111. Wie lautet Ihr finaler, unumstößlicher Satz zu dieser Kandidatur?

Ich bewerbe mich nicht, weil mir in meinem Leben etwas fehlt oder ich einen Posten suche. Ich bewerbe mich, weil ich die tiefe Gewissheit habe, dieser entscheidenden Institution genau die Führung geben zu können, die sie jetzt braucht – und weil ich fest davon überzeugt bin, dass wir aus den enormen Stärken des ORF das modernste, unabhängigste digitale Power House für unser Land bauen können.

112. Warum sollte der Stiftungsrat genau jetzt den Mut aufbringen, einen Externen zu wählen?

Weil der ORF sich ein „Weiter wie bisher“ schlicht nicht mehr leisten kann. Wer in stürmischen Zeiten den sicheren Hafen der Vergangenheit sucht, geht unter. Mut zum externen Management ist heute kein Risiko mehr – es ist die einzige rationale Überlebensstrategie für das öffentlich-rechtliche System.

113. Die Haushaltsabgabe steht unter permanentem politischem und gesellschaftlichem Beschuss. Werden Sie die Gebühr senken, um die Akzeptanz zu erhöhen?

Die Höhe der Haushaltsabgabe ist das Resultat der internen Ineffizienz. Mein Ziel ist nicht das populistische Kürzen des Budgets auf Kosten des Programms, sondern eine radikale Senkung der Strukturkosten. Wenn wir die Verwaltung schlanker aufstellen, entlasten wir mittelfristig den Beitragszahler, während wir gleichzeitig mehr Geld für echten Content zur Verfügung haben. Akzeptanz entsteht nicht durch Rabatte, sondern durch spürbaren Gegenwert (Public Value).

114. Ihre Mitbewerber verweisen auf den Erfolg von „ORF ON“. Was machen Sie dort besser?

„ORF ON“ war ein handwerklich notwendiger Schritt, aber es ist eine isolierte Plattform-Logik der Vergangenheit. Junge Zielgruppen wechseln nicht extra die App, um öffentlich-rechtliche Inhalte zu suchen. Meine Strategie lautet: Content-First statt App-First. Der ORF muss seine algorithmische Kompetenz so ausbauen, dass unsere Inhalte nativ und intelligent dorthin distribuiert werden, wo der Diskurs stattfindet – ohne den User in eine ORF-eigene digitale Wagenburg zwingen zu wollen.

115. Wie stehen Sie zum Vorwurf der privaten Verleger, der ORF würde mit seinen Text- und Videoangeboten den digitalen Zeitungsmarkt zerstören?

Dieser permanente Bruderkrieg schwächt den Medienstandort Österreich im Kampf gegen die globalen Tech-Plattformen. Als Generaldirektor werde ich das Verhältnis zu den Verlagen von Grund auf neu definieren: weg von der Konkurrenz, hin zur Kooperation. Der ORF wird eine offene digitale Infrastruktur bereitstellen. Das bedeutet: Wir teilen Verifikations-Tools, Streaming-Technologien und Archiv-Inhalte via Open-Source-Schnittstellen mit den privaten Medien, anstatt den Markt durch rein textbasierte Gratis-Angebote zu verzerren. Ein starker ORF muss der Motor des gesamten österreichischen Ökosystems sein.

116. Der ORF hat ein massives Demografie-Problem – das Publikum altert linear rasant. Haben Sie keine Angst, die treuen älteren Stammseher zu verlieren, wenn Sie das Haus radikal auf „Digital-First“ trimmen?

Das ist ein klassischer Denkfehler des linearen Zeitalters. „Digital-First“ bedeutet nicht „Digital-Only“ und schon gar nicht die Vernachlässigung der treuen Stammseher. Es bedeutet eine intelligente Matrix-Steuerung. Wir nutzen die Effizienzgewinne der Digitalisierung, um die Qualität im linearen Fernsehen und im Radio (wie Ö1 und Regionalprogramme) auf höchstem Niveau abzusichern. Gleichzeitig bauen wir die digitalen Kanäle aus, um die Beitragszahler von morgen überhaupt erst zu erreichen. Es geht nicht um ein Entweder-Oder, sondern um die Gleichzeitigkeit von verlässlicher Tradition und mutiger Innovation.

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