Der ORF steht an einem historischen Wendepunkt,
an dem bloße Besitzstandswahrung und administrative Verwaltung nicht mehr ausreichen. Österreich hat ein Anrecht auf einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der nicht nur politisch unabhängig ist, sondern in jeder seiner Handlungen auch so wirkt. Ein Medienhaus, das gesellschaftliches Vertrauen nicht einfordert, sondern es sich täglich neu verdient. Ein zukunftsfähiges Ökosystem, das junge Zielgruppen auf Augenhöhe erreicht, ohne sich ihnen anzubiedern, und das Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Bildung, Kultur sowie Regionalität als das begreift, was sie sind: das Fundament einer neuen, zeitgemäßen öffentlichen Kommunikationsordnung.
Dieses Konzept ist ein Angebot des Bureau of Communication und seiner BeraterInnen an die Republik Österreich zur Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
Wir als Unternehmensberater und Councelors verstehen es als Beitrag unabhängig von einem Mandat und unabhängig von einem Auftrag. Es ist entstanden aus der Überzeugung, dass der ORF mehr ist als ein Medienunternehmen. Er ist eine demokratische Infrastruktur für Information, Orientierung, Bildung, Kultur, regionale Nähe und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Aus diesem Grund ist die Erneuerung des ORF keine interne Organisationsfrage allein. Sie ist eine demokratiepolitische Aufgabe. Sie betrifft die Frage, wie Österreich in einer Zeit von Plattformmacht, künstlicher Intelligenz, Desinformation, Vertrauensverlust und gesellschaftlicher Fragmentierung eine verlässliche öffentliche Mitte bewahren und weiterentwickeln kann.
Dieses Konzeptpapier will ordnen, strukturieren und einen professionellen Beitrag leisten: zuerst zur Governance des ORF, dann zu seiner strategischen Weiterentwicklung als Unternehmen und schließlich zu seiner Rolle als öffentlich-rechtliche Wissens-, Kultur- und Verifikationsinfrastruktur im KI-Zeitalter.
Wenn es dazu beiträgt, die Debatte über den ORF weniger parteipolitisch, weniger taktisch und stärker institutionell, strategisch und demokratiepolitisch zu führen, hat es seinen Zweck erfüllt.
Bureau of Communication
Wien / Düsseldorf / Zürich
2026
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Ein öffentlich-rechtlicher ORF für das Morgen
Ein strategischer Entwurf und eine Einladung zum Aufbruch.
Digitaler Public Value
ORF ON, Audio, Archive, Bildung und regionale Angebote müssen zu einem echten digitalen Public-Value-System werden.
ORF Lernen
Ein öffentlich-rechtliches Bildungsangebot für Schule, Erwachsene, Medienkompetenz, Demokratiebildung und KI-Kompetenz.
Public Value Lab
Ein Denk-, Daten- und Dialograum für Zukunftsfragen: nicht parteipolitisch, sondern transparent und plural.
Vertrauen
Unabhängigkeit muss nicht nur bestehen, sondern sichtbar werden: durch Verfahren, Transparenz, Redaktionsschutz und glaubwürdige Führung.
Kultur & Gedächtnis
Archive, Kultur, regionale Erinnerung und österreichische Kreativität als strategische Infrastruktur im KI-Zeitalter.
Europa
Öffentlich-rechtliche Medien sollten bei Verifikation, KI-Übersetzung, Archiven, Bildung und Standards stärker kooperieren.
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Executive Summary in 12 Thesen
12 Thesen als Leitplanken für Strategie, Organisation und Führung.
1. Der ORF bleibt notwendig, aber nicht automatisch legitimiert.
Seine Legitimität entsteht nicht aus Gewohnheit, sondern aus täglich nachweisbarem öffentlichem Mehrwert.
2. Der ORF ist künftig weniger Senderverbund als öffentliche Infrastruktur.
Er sendet weiterhin, aber er muss zusätzlich verifizieren, erklären, bilden, archivieren, übersetzen, verbinden und Orientierung geben.
3. Unabhängigkeit ist keine Behauptung, sondern ein System aus Verfahren.
Transparenz, Redaktionsschutz, Interessenkonfliktregeln, Compliance, Public Editor und nachvollziehbare Qualitätsprozesse sind strategische Führungsaufgaben.
4. Digitalisierung ist kein Kanalwechsel, sondern ein Wechsel der Organisationslogik.
ORF ON, ORF SOUND, ORF KIDS, ORF Lernen, Archive, Daten und KI müssen zu einem integrierten Public-Service-Ökosystem werden.
5. Der ORF muss zur verlässlichsten Verifikationsinstanz Österreichs werden.
Im KI-Zeitalter zählt nicht maximale Geschwindigkeit, sondern überprüfbare Wahrheit, transparente Korrektur und nachvollziehbare Einordnung.
6. Bildung wird vom Randthema zum Kernauftrag.
ORF Lernen soll ein frei zugängliches, barrierefreies, mehrsprachiges und kooperatives Lernökosystem für Schule, Erwachsene, Demokratie und KI-Kompetenz werden.
7. Die Landesstudios sind kein Kostenproblem, sondern strategische Knoten.
Regionalität ist Vertrauens-, Kultur-, Bildungs- und Resilienzpolitik - besonders in einer zentralisierten Plattformöffentlichkeit.
8. Kultur und Archive sind im KI-Zeitalter strategische Rohstoffe.
Der ORF besitzt österreichisches Gedächtnis. Dieses Gedächtnis muss kuratiert, geöffnet und intelligent zugänglich gemacht werden.
9. KI wird eine Kernkompetenz, aber nicht die redaktionelle Letztinstanz.
Menschen verantworten; KI unterstützt. Synthetische Inhalte werden gekennzeichnet. Archive, Metadaten und Nutzungsdaten bleiben unter Public-Value-Governance.
10. Der ORF muss groß sein können, ohne imperial zu wirken.
Digitale Stärke ist notwendig; der Maßstab ist aber Public Value, nicht Klickwettbewerb gegen private Medien.
11. Europa wird vom Kooperationsraum zum Produktions- und Verifikationsraum.
KI-Übersetzung, gemeinsame Rechte, Archive, Faktenprüfung, Bildungsinhalte und Standards schaffen eine neue Public-Service-Allianz.
12. Schon heute braucht Österreich keinen ORF, der nur sendet, sondern einen ORF, der demokratische Orientierung organisiert.
Das ist die eigentliche Transformationsaufgabe: nicht Nostalgie, sondern Zukunftsfähigkeit der Republik.
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ORF Transformation Blueprint
Governance, Public Value und KI-Souveränität für die nächste öffentlich-rechtliche Ära
Der ORF steht nicht vor einer reinen Personalfrage. Er steht vor einer Operating-Model-Frage.
Die nächste Generaldirektion wird wichtig sein. Aber sie wird nur so stark sein wie die Governance, die sie trägt; die Verfahren, die sie schützen; und die strategische Klarheit, die ihr Handlungsspielraum gibt.
Der Österreichische Rundfunk ist mehr als ein Medienunternehmen. Er ist eine demokratische Infrastruktur für Orientierung, Bildung, Kultur, regionale Nähe, Unterhaltung und verlässliche Öffentlichkeit. Seine Zukunft entscheidet sich nicht an Einzelformaten, nicht an Parteitaktik und nicht an der Verteidigung alter Kanäle. Sie entscheidet sich daran, ob Österreich den ORF institutionell so ordnet, dass er im KI-Zeitalter Vertrauen, Wissen und demokratische Orientierung organisieren kann.
EXECUTIVE SUMMARY
Fünf Befunde. Fünf Konsequenzen.
1. Der ORF ist nicht schwach.
Seine Stärke muss in Zukunftsfähigkeit übersetzt werden.
2. Das Kernproblem ist nicht Leistung, sondern Ordnung.
Governance muss vor Programm- und Produktdebatten geklärt werden.
3. Entpolitisierung ist der falsche Begriff.
Politischer Einfluss muss sichtbar, überprüfbar und begrenzt werden.
4. Die Konkurrenz kommt nicht nur aus dem Medienmarkt.
Plattformen und KI-Antwortsysteme verändern Öffentlichkeit fundamental.
5. Public Value ist kein Slogan.
Operating Model, Scorecard und Führungslogik.
PROBLEM STATEMENT
Das eigentliche Problem ist nicht die Leistung. Es ist die Ordnung.
Der ORF beginnt seine Zukunft nicht aus Schwäche. Er besitzt historische Autorität, Reichweite, Marken, Archive, Landesstudios, technische Infrastruktur, Kulturleistung, Unterhaltungskompetenz und journalistische Qualität. Das ist ein Kapital, das keine Plattform und kein privates Medienhaus in Österreich einfach ersetzen kann.
Aber dieses Kapital steht in einer Ordnung, die Vertrauen nicht ausreichend schützt. Der ORF wird zu oft durch die Brille politischer Lager, Vorverständigungen und Gremienarithmetik gelesen. Genau darin liegt die eigentliche Schwäche: Nicht der ORF leistet zu wenig. Seine Ordnung erklärt zu wenig.
Vertrauen wird nicht erst beschädigt, wenn Einfluss tatsächlich missbraucht wird. Es wird bereits geschwächt, wenn Strukturen den Eindruck erzeugen, Macht könne informell wirksamer sein als öffentlich sichtbare Verantwortung.
REFRAMING
Nicht entpolitisieren. Einfluss ordnen.
Wer vom ORF verlangt, völlig unpolitisch zu sein, verlangt Unmögliches. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist politisch legitimiert, gesetzlich beauftragt, öffentlich finanziert und gesellschaftlich wirksam. Die eigentliche Frage lautet daher nicht, wie Politik verschwindet.
Die entscheidende Frage lautet: Wie wird politischer Einfluss so geordnet, dass er sichtbar, überprüfbar und begrenzt ist?
Unabhängigkeit ist kein moralischer Zustand. Sie ist ein institutionelles Design.
Governance zuerst: die erste Ebene der Erneuerung
Der Stiftungsrat als Hebel der Erneuerung
Ohne neue Aufsichtslogik bleibt jede Generaldirektion unter ihren Möglichkeiten. Die Zukunft des ORF beginnt daher nicht bei einer neuen Sendung, einer neuen Plattform oder einer neuen Kampagne. Sie beginnt bei der Frage, wie Aufsicht, Bestellung, Verantwortung und Public-Value-Steuerung organisiert sind.
Kompetenzgebundener Stiftungsrat
Kleiner, professioneller, mit nachweisbaren Kompetenzen in Medien, Recht, Governance, Technologie, Finanzen, Kultur, Regionalität, Wissenschaft und Publikum.
Transparente Spitzenbestellungen
Vorab definierte Kriterien, Eignungsmatrix, Hearing-Standards, Interessenkonflikt-Offenlegung, dokumentierte Entscheidungslogik.
Trennung der Funktionen
Aufsicht, gesellschaftliche Resonanz und externe Regulierung dürfen nicht in einer Machtbörse vermischt werden.
Public-Value-Steuerung
Der Stiftungsrat prüft nicht einzelne Sendungen politisch, sondern Wirkung, Auftrag, Qualität, Governance und Ressourceneinsatz.
Interessenregister
Transparenz über Nebeninteressen und Beziehungen schützt das Gremium und die Institution.
Jährlicher Wirkungsbericht
Public Value wird nicht behauptet, sondern anhand definierter Kriterien nachvollziehbar gemacht.
Der Stiftungsrat darf nicht Ersatzgeschäftsführung sein. Er muss Governance-Architekt werden.
Was der Stiftungsrat künftig steuern sollte
Auftragserfüllung anhand weniger, harter Public-Value-Kennzahlen.
Langfristige Finanzierung und Investitionsfähigkeit, nicht nur Jahresbudgets.
Qualität der Führungs- und Compliance-Systeme.
Digital- und KI-Souveränität als strategisches Risiko- und Chancenfeld.
Publikumsvertrauen, Fehlerkultur und redaktionelle Qualitätsprozesse.
Marktverträglichkeit neuer Angebote ohne digitale Selbstverkleinerung.
Das Unternehmen: vom Senderverbund zum Public-Value-Operating-Model
Erst nach der Governance-Frage beginnt die Unternehmensfrage. Der ORF darf nicht länger primär über Kanäle gedacht werden. Er muss über Funktionen, Produkte, Zielgruppen und öffentliche Wirkung geführt werden.
Der ORF der Zukunft wird nicht durch seine Kanäle definiert, sondern durch seine Funktion in einer fragmentierten, plattform- und KI-vermittelten Öffentlichkeit.
Das Public-Value-Operating-Model
News & Verifikation
Quellenprüfung, Korrekturtransparenz, Faktenkompetenz, Deepfake- und KI-Erkennung.
Digital Video & Audio
ORF ON, Audio, Podcasts und Social Video als integriertes Public-Value-Portfolio.
ORF Lernen
Demokratie, Medienkompetenz, KI-Kompetenz, Geschichte, Wissenschaft, Wirtschaft, Europa.
Kultur & Gedächtnis
Archive, Rechte, Metadaten, Kreativität und kulturelle Erinnerung als Infrastruktur.
Regional Network
Landesstudios als regionale Knoten für Vertrauen, Kultur, Kriseninformation und Nähe.
Entertainment with Purpose
Unterhaltung mit Auftrag: österreichische Kreativität, Verbindung und Handschrift.
Data, AI & Technology
KI-Governance, Archivsuche, Übersetzung, Barrierefreiheit und Rechercheunterstützung.
Unterhaltung: nicht Zusatz, sondern Bindungskraft
Ein öffentlich-rechtlicher ORF darf Unterhaltung nicht defensiv behandeln. Unterhaltung ist nicht das Gegenteil von Auftrag. Sie ist eine der wichtigsten Formen gesellschaftlicher Verbindung. Entscheidend ist die Qualität der Begründung: Stärkt ein Format österreichische Kreativität? Erreicht es Menschen, die der ORF sonst verliert? Verbindet es Generationen, Regionen oder Milieus? Hat es eine erkennbare öffentlich-rechtliche Handschrift?
Der ORF soll nicht kleiner werden, indem er Unterhaltung preisgibt. Er soll besser werden, indem er Unterhaltung, Kultur, Wissen und digitale Verlängerung stärker zusammendenkt.
KI-Souveränität: Österreichs Bild in der Welt
Die nächste große Medienverschiebung findet nicht nur auf TikTok, YouTube oder Streamingplattformen statt. Sie findet in den Antwortsystemen generativer KI statt. Immer mehr Menschen suchen nicht mehr nach Links, sondern nach Antworten. Damit verändert sich auch die Frage, wie Österreich in der Welt erscheint.
Der ORF hat hier eine neue strategische Aufgabe. Er muss nicht nur Programme für ein österreichisches Publikum machen. Er muss als qualitätsgesicherte, verlässliche und gut strukturierte Quelle dazu beitragen, dass Österreich in der digitalen und KI-vermittelten Öffentlichkeit richtig, vielfältig, demokratisch und kulturell reich dargestellt wird.
Im 20. Jahrhundert entschied der ORF mit, wie Österreich sich selbst im Fernsehen sah. Im 21. Jahrhundert entscheidet sich zusätzlich, welche Quellen das Bild Österreichs in den Antwortsystemen der Welt prägen.
Vom Broadcasting zur Trusted Source Architecture
Inhalte müssen nicht nur gesendet, sondern strukturiert, kuratiert, kontextualisiert und auffindbar gemacht werden.
Archive müssen über Metadaten, Rechte, Mehrsprachigkeit und Suchlogik zur nutzbaren öffentlichen Gedächtnisinfrastruktur werden.
Regionale Inhalte müssen digital so erschlossen werden, dass Österreich nicht nur aus Wien erklärt wird.
Kultur, Geschichte, Wissenschaft, Demokratie und Gegenwart müssen maschinenlesbar, aber journalistisch verantwortet zugänglich werden.
KI darf nicht redaktionelle Verantwortung ersetzen. Sie muss Zugang, Barrierefreiheit, Verifikation, Übersetzung und Recherche verbessern.
Public-Value-Scorecard
Public Value darf kein Kampagnenwort bleiben. Er muss in Steuerung, Reporting und Aufsicht übersetzt werden. Eine moderne ORF-Governance braucht daher eine Scorecard, die Reichweite nicht verdrängt, aber um Relevanz, Wirkung und Vertrauen ergänzt.
Vertrauen
Steigt oder sinkt Glaubwürdigkeit bei relevanten Zielgruppen? Werden Fehler transparent korrigiert?
Nutzung & Reichweite
Welche Gruppen erreicht der ORF linear, digital und sozial? Welche nicht?
Junge Zielgruppen
Welche Angebote erreichen unter 30-Jährige nachhaltig und nicht nur episodisch?
Journalistische Qualität
Wie stark sind Verifikation, Quellenklarheit, Einordnung und Korrekturprozesse?
Vielfalt & Ausgewogenheit
Welche Regionen, Milieus, Generationen und Perspektiven kommen vor?
Bildungswirkung
Welche Angebote fördern Medien-, Demokratie-, Wissenschafts- und KI-Kompetenz?
Kultur & Archive
Wie zugänglich werden österreichische Kultur, Geschichte und kreative Produktion gemacht?
Digitale Produktfähigkeit
Wie schnell, nutzerfreundlich und integriert entwickeln sich ORF ON, Audio, Social, Archive und Lernen?
KI-Souveränität
Welche KI-Anwendungen erhöhen Public Value? Wie werden Risiken kontrolliert?
Organisation & Integrität
Wie entwickeln sich Compliance, Gleichstellung, Führungskultur, Mitarbeitervertrauen und Effizienz?
100-Tage-Agenda
A. Agenda für Governance und Aufsicht
Einsetzung eines Governance-Reviews: Rollen, Kompetenzen, Interessenkonflikte, Entscheidungstransparenz.
Definition einer Public-Value-Scorecard für den Stiftungsrat.
Standardisierung von Kriterien für künftige Spitzenbestellungen.
Konzept für einen jährlichen ORF-Wirkungsbericht.
Klärung des Zusammenspiels von Aufsicht, gesellschaftlicher Resonanz und externer Qualitätsprüfung.
B. Agenda für die Generaldirektion
Einrichtung eines Transformationsbüros bei der Generaldirektion.
Audit von ORF ON, Audio, Social, Archiv, Bildung und regionalen digitalen Produkten.
Start einer AI Governance Unit mit KI-Charta, Anwendungsregister und Risikomatrix.
Aufbau eines Verifikations- und Korrekturstandards für das KI-Zeitalter.
Konzeptphase für ORF Lernen und Public Value Lab.
Organisationsanalyse: Silos, Doppelstrukturen, Produktverantwortung, Führungswege, Kultur.
Die Reihenfolge entscheidet: zuerst Ordnung, dann Strategie, dann Organisation, dann Produkte. Wer nur operative Projekte übernimmt, modernisiert kosmetisch. Wer Governance und Operating Model verändert, erneuert institutionell.
Warum einzelne Maßnahmen nicht reichen
Manche Vorschläge lassen sich einfach übernehmen: ein Verifikationsdesk, ein Bildungsangebot, eine KI-Governance-Einheit, neue Public-Value-Kennzahlen oder eine stärkere Archivstrategie. Aber der Kern dieses Konzepts liegt nicht in einzelnen Maßnahmen. Er liegt in der Architektur.
Wer nur operative Projekte übernimmt, ohne Aufsicht, Verfahren, Führungslogik und institutionelle Verantwortlichkeit zu verändern, erzeugt Projektmodernisierung. Der ORF braucht aber Systemmodernisierung.
Schlussbemerkung
Der ORF ist entweder eine politisch umkämpfte Restgröße aus dem analogen Zeitalter. Oder er wird zu dem, was ein moderner öffentlich-rechtlicher Rundfunk in einer demokratischen Gesellschaft sein muss: eine glaubwürdige, technologisch wache, kulturell substanzielle und institutionell belastbare Infrastruktur der Öffentlichkeit.
Österreich wird auch in Zukunft Medien haben. Die eigentliche Frage ist, ob es auch in Zukunft einen Ort geben wird, an dem Öffentlichkeit nicht bloß erzeugt, sondern verantwortet wird. Einen Ort, an dem Information geprüft, geordnet und eingeordnet wird. Einen Ort, an dem Bildung demokratische Substanz bleibt. Einen Ort, an dem Unterhaltung verbindet, Kultur zugänglich wird und technologische Modernität nicht zum Verlust von Urteilskraft führt, sondern zu ihrer Stärkung.
Der ORF kann ein solcher Ort sein. Aber nur, wenn man aufhört, ihn kleiner zu denken, als er für die Republik in Wahrheit ist.
Nicht kosmetische Modernisierung ist gefragt. Gefragt ist ein neuer Ernst im Denken über Ordnung, Führung und öffentliche Wirkung.
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Über den Autor
Mag. Ing Ernst Primosch ist österreichischer Unternehmer, internationaler Unternehmensberater, Strategic Counselor und ehemaliger Global Vice President eines DAX-Unternehmens und ehemaliger Journalist.
Bei Henkel war er in 125 Ländern für das Corporate Brand Management, Corporate Communications und CSR verantwortlich. Mit “A Brand like a Friend” positionierte er das Chemieunternehmen weltweit als Markenartikler neu. Zuvor wirkte er maßgeblich am Aufbau von Henkel Central Eastern Europe als Wien-Hub mit.
Später führte er die internationalen Beratungsunternehmen Hill+Knowlton Strategies und Edelman erfolgreich und gewinnbringend – ohne Personalabbau und nur durch höhere strategische Wertschöpfung und neue, starke Visionen. Heute berät er große und internationale Unternehmen, Organisationen oder Destinationen wie das Land Kärnten, BYD Deutschland oder ALDI SÜD, an dessen neuen Claim und Purpose “Gutes für alle.” er maßgeblichen gearbeitet hat.
Primosch ist parteilos und bewirbt sich mit einem mehr als 30-seitigen Konzept ORF 2050: Darin heißt es unter anderem, der ORF soll zur öffentlichen Infrastruktur für Vertrauen, Wissen, Kultur, Bildung, Verifikation und demokratisch werden.
Foto: Anne-Marie von Sarosdy
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