BEWERBUNG UM DIE ORF GENERALDIREKTION

Der ORF muss Vertrauen neu verdienen.

ORF 2050

Mag. Ing. Ernst Primosch

Parteilos. Demokratisch. International erfahren. Für einen öffentlich-rechtlichen ORF, der unabhängig wirkt, modern geführt wird und Österreich in die Zukunft begleitet.

Foto: Anne-Marie von Sarosdy

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Eingangsstatement

Nicht Fortsetzung des Erwartbaren.

Sondern Aufbruch aus Verantwortung.

Der ORF steht an einem Punkt, an dem bloße Verwaltung nicht mehr reicht. Österreich braucht einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der unabhängig ist und unabhängig wirkt; der Vertrauen nicht einfordert, sondern neu verdient; der junge Menschen erreicht, ohne sich ihnen anzubiedern; der Digitalisierung, KI, Bildung, Kultur und Regionalität nicht als Zusatzaufgaben behandelt, sondern als Kern einer neuen öffentlichen Kommunikationsordnung. Ich bewerbe mich nicht aus einer Binnenlogik, nicht aus einem Parteiapparat und nicht aus persönlicher Unzufriedenheit. Ich bewerbe mich, weil ich glaube, dass meine Erfahrung in Führung, Governance, Compliance, Diversity, Digitalisierung, Reputation und Transformation dem ORF jetzt nutzen kann.

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PROFIL

Worin diese Kandidatur anders ist

Nicht gegen Personen, sondern für eine andere Qualität von Führung: unabhängig, governance-stark, digital, kulturell verantwortlich und auf Public Value ausgerichtet.

Journalismus

Journalistische Frühprägung

Fast zehn Jahre freier Journalist, unter anderem bei einer Kärntner Tageszeitung; zusätzlich frühe audiovisuelle Arbeit beim Bayerischen Rundfunk.

Transformation

Weieterentwicklung ohne Kahlschlag

Unternehmen weiterentwickelt und in die Gewinnzone gebracht – durch Qualität, Strategie und bessere Wertschöpfung.

Führung

Globale Verantwortung

Henkel: Marke, Kommunikation, CSR, Reputation, Krisenmanagement; Aufbau von Henkel CEE als Wien-Hub.

Digital

Technologie früh verstanden

Eine der ersten Websites und Suchindex im deutschsprachen Raum online, früh KI u.a. für Krisensmanagement und Verifizierung

Governance

Compliance & Diversity

25 Jahre in internationalen Unternehmenskulturen, in denen Compliance, Gleichstellung und Governance tägliche Führungsrealität waren.

Werte

Parteiloser Demokrat

Keinem Parteiapparat verpflichtet, sondern Rechtsstaat, Menschenwürde, Freiheit, Verantwortung und öffentlichem Auftrag.

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VISION ORF 2050

Ein öffentlich-rechtlicher ORF für das Morgen

ORF 2050 ist kein dogmatischer Masterplan, sondern ein strategischer Entwurf und eine Einladung zum Aufbruch. Das Original umfasst mehr als 30 Seiten.

Digitaler Public Value

ORF ON, Audio, Archive, Bildung und regionale Angebote müssen zu einem echten digitalen Public-Value-System werden.

ORF Lernen

Ein öffentlich-rechtliches Bildungsangebot für Schule, Erwachsene, Medienkompetenz, Demokratiebildung und KI-Kompetenz.

Public Value Lab

Ein Denk-, Daten- und Dialograum für Zukunftsfragen: nicht parteipolitisch, sondern transparent und plural.

Vertrauen

Unabhängigkeit muss nicht nur bestehen, sondern sichtbar werden: durch Verfahren, Transparenz, Redaktionsschutz und glaubwürdige Führung.

Kultur & Gedächtnis

Archive, Kultur, regionale Erinnerung und österreichische Kreativität als strategische Infrastruktur im KI-Zeitalter.

Europa

Öffentlich-rechtliche Medien sollten bei Verifikation, KI-Übersetzung, Archiven, Bildung und Standards stärker kooperieren.

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DAS INTERVIEW MIT ERNST PRIMOSCH

„Der ORF gehört nicht Parteien, nicht Managern und nicht Verlagen“

Der unabhängige Bewerber Ernst Primosch über seine ORF-Kandidatur, politische Einflussnahme, Managergehälter, ORF.at, Skandale, mögliche Teams – und warum er den ORF nicht kleiner, sondern besser machen will.

„Die Wahl des ORF-Generaldirektors ist hochpolitisch. Warum tun Sie sich das überhaupt an?“

Weil es um viel geht. Um den ORF, um Medienvielfalt, um Demokratie, um Kultur und um die Frage, wie Österreich in den nächsten Jahrzehnten miteinander spricht. Der ORF ist keine normale Firma. Er ist eine öffentliche Infrastruktur. Wenn diese Infrastruktur schwach wird, verliert das ganze Land.

Ich bewerbe mich nicht, weil ich einen Job suche. Ich bin Unternehmer und Berater, sehr zufrieden mit dem, was ich tue. Beim ORF würde ich wahrscheinlich weniger verdienen als heute. Aber es gibt Aufgaben, die größer sind als die eigene Karriere. Der ORF ist so eine Aufgabe.

„Sie kommen nicht aus dem ORF. Ist das nicht ein Nachteil?“

Es ist Risiko und Chance zugleich. Ich kenne den ORF nicht aus der Binnenroutine. Aber genau das ist auch mein Vorteil. Ich bin nicht Teil jener Strukturen, die heute kritisiert werden. Ich komme mit Respekt vor dem Haus, aber ohne Betriebsblindheit.

Der ORF braucht Menschen, die ihn kennen. Aber er braucht auch Führung, die nicht aus seinen Abhängigkeiten kommt. Ich bringe internationale Erfahrung, Compliance-Kultur, Transformation und ein klares Zukunftsbild mit.

„Hatten Sie Kontakte mit der Politik?“

Ich spreche mit demokratischen Entscheidungsträgern, wenn es um eine so wichtige Institution geht, doch ich haben mich niemandem angebiedert. Das ist normal. Aber ich gehöre keiner Partei an, ich bin keiner Partei verpflichtet und ich möchte auch keiner Partei etwas schulden.

Ein ORF-Generaldirektor muss mit allen reden können – Regierung, Opposition, Ländern, Stiftungsrat, privaten Medien, Kultur, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Aber er darf sich keiner Seite zuordnen lassen.

„Glauben Sie, dass die Wahl schon ausgedealt ist?“

Ich hoffe nicht. Und ich trete an, weil ich glaube, dass der ORF eine echte Auswahl verdient. Wenn alles schon vorher feststeht, wäre das ein schlechtes Signal an die Mitarbeiter, an das Publikum und an die Republik.

Ich bewerbe mich offen, mit einem Konzept, mit einem Lebenslauf und mit einer klaren Haltung. Mehr kann man in einem solchen Verfahren nicht tun. Aber ich erwarte mir, dass am Ende Qualität, Unabhängigkeit und Zukunftsfähigkeit zählen.

„Sie glauben also an eine faire Wahl?“

Ich glaube daran, dass der Stiftungsrat eine große Verantwortung trägt. Er entscheidet nicht nur über eine Person. Er entscheidet darüber, ob der ORF wieder Vertrauen gewinnt oder ob viele Menschen sagen: Es bleibt ohnehin alles beim Alten.

Ich bin Demokrat. Daher respektiere ich Verfahren. Aber ich erwarte mir auch, dass Verfahren ernst genommen werden.

„Wie soll sich der ORF weiterentwickeln?“

Der ORF darf nicht nur ein Senderverbund mit digitalen Anhängseln bleiben. Er muss zur öffentlichen Infrastruktur für Vertrauen, Wissen, Kultur und demokratische Orientierung werden.

Das heißt: starke Information, starke Kultur, starke Regionen, starke Bildung, starke Archive, starke Audio- und Videoangebote, klare KI-Regeln und digitale Angebote, die junge Menschen wirklich erreichen.

Der ORF soll nicht größer um des Größerseins willen werden. Er soll besser, klarer, unabhängiger und moderner werden.

„Können Sie das in drei oder vier Punkten konkretisieren?“

Gerne.

Erstens: Vertrauen zurückgewinnen. Durch redaktionelle Unabhängigkeit, Compliance, Transparenz und eine Kultur, in der Machtmissbrauch keinen Platz hat.

Zweitens: Digitalisierung ernst nehmen. ORF ON, Audio, Archive, Bildung und regionale Angebote müssen zu einem echten digitalen Public-Value-System werden.

Drittens: Kultur und Bildung stärken. Der ORF ist nicht nur Nachrichten und Unterhaltung. Er ist auch Gedächtnis, Bühne und Klassenzimmer der Republik.

Viertens: Organisation modernisieren. Weniger Silos, mehr Teamarbeit, klare Verantwortung, bessere Führung und faire Chancen für Frauen und Talente.

„60 Prozent Unterhaltung, 40 Prozent Kultur und Information – muss sich das ändern?“

Ich würde nicht mit der Motorsäge durch das Programm gehen. Der ORF braucht Unterhaltung. Menschen wollen lachen, entspannen, gemeinsam schauen. Öffentlich-rechtliche Unterhaltung ist legitim.

Aber die Frage ist: Zahlt ein Format auf den Auftrag ein? Stärkt es österreichische Kreativität? Erreicht es Menschen, die der ORF sonst verliert? Ist es fair produziert? Ist es finanzierbar? Dann kann Unterhaltung sehr wohl öffentlich-rechtlich sein.

Was der ORF nicht darf: Unterhaltung als Ausrede verwenden, um seine Kernaufgaben zu schwächen.

„Sollen Formate wie Dancing Stars weitergehen oder soll der ORF lieber selbst entwickeln?“

Beides kann sinnvoll sein. Der ORF soll nicht aus Prinzip alles selbst erfinden. Aber er muss mehr eigene Handschrift entwickeln. Österreichische Geschichten, österreichische Talente, österreichische Kultur und neue digitale Formate gehören stärker in den Mittelpunkt.

Wenn gespart werden muss, dann zuerst in der Struktur, in Doppelgleisigkeiten und in ineffizienten Abläufen – nicht zuerst beim Programm, das Menschen erreicht.

„Sind die Managergehälter im ORF angemessen?“

Spitzenfunktionen, die Leistung erbringen, müssen ordentlich bezahlt werden. Aber beim ORF gilt ein besonders strenger Maßstab: Das Publikum zahlt mit. Daher müssen Gehälter transparent, nachvollziehbar und an Verantwortung sowie Leistung gebunden sein.

Wer öffentlich-rechtlich führen will, darf nicht den Eindruck erwecken, sich selbst zu bedienen. Führung im ORF ist Dienst an einer Institution, nicht Privileg.

„Sie haben 25 Jahre in Deutschland und internationalen Unternehmen gearbeitet. Geht es dort anders zu?“

Ja, in vielen Bereichen deutlich. Ich habe lange in Strukturen gearbeitet, in denen Compliance, Diversity, Gleichstellung, Reporting und Governance tägliche Führungsrealität waren. Bei Edelman in einem US-amerikanisch geprägten Unternehmen, bei Hill+Knowlton in einem internationalen WPP-Netzwerk.

Dort lernt man: Vertrauen entsteht nicht durch schöne Worte. Vertrauen entsteht durch klare Regeln, überprüfbare Verantwortung und Konsequenz.

„Ist das, was jetzt im ORF kritisiert wird, ORF-typisch?“

Überall, wo Macht konzentriert ist, kann Macht missbraucht werden. Das ist nicht ORF-typisch. Aber ein öffentlich-rechtlicher ORF muss höhere Standards erfüllen als viele andere Organisationen.

Der ORF braucht eine Kultur, in der Menschen gerne arbeiten, aber auch geschützt sind. Eine Kultur, in der Leistung zählt, nicht Nähe. In der Frauen faire Chancen haben. In der Führung kontrollierbar ist. Und in der Kritik nicht als Illoyalität gilt.

„Sie sprechen viel über Gleichstellung. Wie glaubwürdig ist das bei einem männlichen Kandidaten?“

Glaubwürdigkeit entsteht durch Praxis. Bei Henkel waren drei meiner vier globalen Top-Führungskräfte Frauen. Auch in meinen Teams waren Frauen immer in der Mehrheit.

Für mich war das kein Programm für die Galerie. Es war normale gute Führung. Gute Organisationen fördern Talente – unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Netzwerk.

„Waren die Skandale der Grund für Ihre Bewerbung?“

Nein. Sie waren nicht der Grund. Aber sie zeigen, warum Veränderung notwendig ist.

Ich bewerbe mich, weil ich glaube, dass der ORF für Österreich unverzichtbar ist. Gerade deshalb darf man ihn nicht schönreden. Man muss ihn stärken, modernisieren und dort verändern, wo Vertrauen beschädigt wurde.

„Soll der ORF weiter über die Haushaltsabgabe finanziert werden oder über das Budget?“

Das entscheidet der Gesetzgeber. Aber eines ist klar: Finanzierung ist Unabhängigkeitsfrage. Wenn der ORF jedes Jahr politisch um sein Geld zittern muss, schwächt das seine Unabhängigkeit.

Ich bin für eine Finanzierung, die transparent, effizient, sozial erklärbar und möglichst unabhängig von kurzfristiger parteipolitischer Opportunität ist.

„Soll der Stiftungsrat verkleinert und entpolitisiert werden?“

Auch das ist Sache des Gesetzgebers. Aber der ORF braucht jedenfalls eine Governance, die Unabhängigkeit nicht nur behauptet, sondern sichtbar macht.

Es geht nicht darum, demokratische Kontrolle abzuschaffen. Es geht darum, parteipolitische Verfügbarkeit zu verhindern. Ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk muss demokratisch legitimiert sein, darf aber nicht parteipolitisch disponibel wirken.

„Was heißt das konkret?“

Klare Besetzungsverfahren. Transparente Interessenkonflikte. Nachvollziehbare Entscheidungen. Starke Redaktionsstatuten. Compliance. Ombudsstellen. Und eine Führung, die politische Interventionen nicht als Normalität behandelt.

Unabhängigkeit ist kein Gefühl. Unabhängigkeit ist ein System aus Regeln, Haltung und persönlicher Standfestigkeit.

„Zurück zu Ihrer Bewerbung: Glauben Sie wirklich nicht, dass alles schon ausgedealt ist?“

Ich weiß, wie Österreich funktioniert. Aber ich weigere mich, Zynismus zum Programm zu machen. Wenn man glaubt, dass ohnehin alles entschieden ist, darf man sich nicht wundern, wenn sich nichts ändert.

Ich trete an, weil ich überzeugt bin: Der ORF verdient eine echte Alternative.

„Haben Sie ein Personalpaket?“

Nein. Ich kandidiere nicht mit einem Hinterzimmerpaket. Ich kandidiere mit einem Konzept und mit einer Haltung.

Aber eines ist klar: Wenn ich Verantwortung übernehmen sollte, würde ich die besten Leute suchen – im ORF und außerhalb. Der ORF hat hervorragende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Man muss ihr Wissen nutzen, nicht ignorieren.

„Könnten Sie sich vorstellen, andere Kandidaten oder bestehende ORF-Führungskräfte in ein Team zu holen?“

Ja, wenn es dem ORF dient. Ich schließe Zusammenarbeit nicht aus. Im Gegenteil: Gute Führung bedeutet, vorhandenes Wissen zu nutzen.

Als Berater und Unternehmer habe ich oft genau so gearbeitet: Man beginnt nicht bei null, sondern prüft, was in einer Organisation bereits vorhanden ist. Das spart Zeit, verhindert Fehlentwicklungen und integriert Erfahrung. Ein Generaldirektor muss nicht alles allein wissen. Er muss die richtigen Menschen zusammenbringen.

„Also auch eine Generalsekretärin oder ein Generalsekretär aus dem bestehenden System?“

Das kann man diskutieren. Der aktuelle Auswahlprozess ist auf die Generaldirektion ausgerichtet, aber organisatorisch gibt es Möglichkeiten, Erfahrung, interne Kenntnis und Erneuerung zu verbinden.

Entscheidend ist nicht der Titel. Entscheidend ist: Der ORF braucht ein Führungsteam, das unabhängig, kompetent, modern und loyal gegenüber dem Auftrag ist – nicht gegenüber Lagern.

„Würden Sie auch eine andere Funktion übernehmen, wenn Sie nicht Generaldirektor werden?“

Ich bewerbe mich um die Funktion des Generaldirektors. Darauf ist mein Konzept ausgerichtet.

Aber ich bin kein Egotaktiker. Wenn es eine Konstellation gäbe, die dem ORF wirklich nützt und die meinen Beitrag sinnvoll macht, würde ich darüber nachdenken. Entscheidend ist nicht persönliche Eitelkeit, sondern der Nutzen für den ORF.

„Das klingt nach Koalitionsangebot.“

Nein, es ist ein Führungsverständnis. Der ORF ist zu wichtig für Eitelkeiten. Wer ihn erneuern will, muss Menschen verbinden können.

Ich komme nicht, um Gräben zu vertiefen. Ich komme, um eine Richtung zu geben.

„Was sagen Sie zu Kandidaten, die aus der österreichischen Medienwelt kommen?“

Ich bewerbe mich nicht gegen Personen. Jeder Kandidat bringt eigene Stärken mit.

Mein Profil ist anders. Ich komme nicht aus der österreichischen Medienbinnenwelt und nicht aus einem Parteiapparat. Ich bringe internationale Führung, Governance, Compliance, Turnaround-Erfahrung, digitale Pionierarbeit und eine Vision ORF 2050 mit.

„Sie wurden von einem Medien kaum beachtet. Ärgert Sie das?“

Nein. Medien entscheiden selbst, worüber sie berichten. Aber ich glaube, dass das Publikum ein Recht auf unterschiedliche Profile hat.

Wenn nur über die Erwartbaren berichtet wird, bleibt auch die Debatte erwartbar. Ich bin eine andere Kandidatur. Und genau deshalb lohnt es sich, sie anzusehen.

„Was wäre Ihre Haltung zu ORF.at? Manche wollen den ORF online kleiner machen.“

ORF.at darf nicht einfach aus Marktinteressen heraus geschrumpft werden. Aber ORF.at muss klarer nach Public Value geführt werden.

Der ORF soll nicht privaten Medien mit beliebigen Textmassen Konkurrenz machen. Aber er darf sich auch nicht aus der digitalen Öffentlichkeit zurückziehen. Information, Verifikation, Video, Audio, Archiv, Bildung und regionale Orientierung müssen dort stattfinden, wo Menschen heute sind – also auch digital.

„Soll der ORF Marktmotor oder Marktgegner sein?“

Er muss Marktmotor für Qualität sein. Nicht Marktgegner. Nicht Marktverdränger. Aber auch nicht Bettvorleger privater Interessen.

Der ORF soll mit privaten Medien kooperieren, wo das sinnvoll ist. Aber sein Auftrag kommt vom Publikum und vom Gesetz – nicht von Verlagen, Parteien oder Plattformen.

„Was ist Ihr Satz zur ORF-Zukunft?“

Der ORF muss Vertrauen nicht einfordern, sondern neu verdienen.

Er muss unabhängig sein und unabhängig wirken. Er muss moderner werden, ohne beliebig zu werden. Und er muss den Mut haben, Österreich nicht nur zu unterhalten, sondern zu orientieren.

„Was ist, wenn es am 11. Juni nicht so ausgeht, wie Sie sich das wünschen?“

Dann habe ich trotzdem einen Beitrag geleistet. Ich habe eine Alternative formuliert, ein Konzept vorgelegt und eine Debatte angestoßen.

Bis dahin geht es nicht um persönliche Kränkung oder Taktik. Es geht um einen starken, souveränen, unabhängigen ORF. Dafür trete ich an.

Foto: Anne-Marie von Sarosdy

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Zur Person

Mag. Ing Ernst Primosch ist Unternehmer, Unternehmensberater und ehemaliger freier Journalist. Er war fast zehn Jahre unter anderem für eine Kärntner Tageszeitung tätig, arbeitete während seiner Studienzeit im Hörspielbereich des Bayerischen Rundfunks mit und führte bei einem frühen Musikvideo-Projekt Regie.

Bei Henkel war er global für das Corporate Brand Management, Corporate Communications und CSR verantwortlich. Mit “A Brand like a Friend” positionierte er das Chemieunternehmen weltweit als Markenartikler neu. Zuvor wirkte er maßgeblich am Aufbau von Henkel Central Eastern Europe als Wien-Hub mit.

Später führte er die internationalen Beratungsunternehmen Hill+Knowlton Strategies und Edelman erfolgreich und gewinnbringend – ohne Personalabbau und nur durch höhere strategische Wertschöpfung und neue, starke Visionen. Heute berät er große und internationale Unternehmen, Organisationen oder Destinationen wie das Land Kärnten, BYD Deutschland oder ALDI SÜD, an dessen neuen Claim und Purpose “Gutes für alle.” er maßgeblichen gearbeitet hat.

Primosch ist parteilos und bewirbt sich mit einem mehr als 30-seitigen Konzept ORF 2050: Darin heißt es unter anderem, der ORF soll zur öffentlichen Infrastruktur für Vertrauen, Wissen, Kultur, Bildung, Verifikation und demokratisch werden.

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Fragen an Ernst Primosch

01 Warum bewerben Sie sich?

Weil der ORF vor einer historischen Transformationsaufgabe steht. Meine Erfahrung in Führung, Reputation, Governance, Digitalisierung und Unternehmenskultur ist genau jetzt relevant.

02 Warum wollen Sie Ihre erfolgreiche Tätigkeit als Unternehmer und Berater aufgeben?

Ich bin mit meiner heutigen Arbeit zufrieden. Diese Bewerbung ist keine Flucht, sondern eine bewusste Hinwendung zu einer Aufgabe mit besonderer öffentlicher Bedeutung.

03 Sind Sie mit Ihrer heutigen Tätigkeit nicht mehr zufrieden?

Doch. Ich bewerbe mich nicht, weil mir etwas fehlt, sondern weil ich überzeugt bin, dem ORF und Österreich etwas geben zu können.

04 Geht es Ihnen ums Geld?

Wenn Geld mein Hauptmotiv wäre, würde ich mich nicht für diese Funktion bewerben. Der Reiz liegt in der Aufgabe und im gesellschaftlichen Mehrwert.

05 Ist das ein Prestigeprojekt?

Prestige wäre ein schlechtes Motiv. Der ORF steht vor echten Herausforderungen: Vertrauen, Digitalisierung, Governance, junge Zielgruppen, KI, Finanzierung und interne Kultur.

06 Wodurch unterscheidet sich Ihre Bewerbung?

Ich komme nicht aus der österreichischen Medienbinnenwelt, sondern aus internationaler Führung, Transformation, Governance und Reputationsverantwortung.

07 Was bringen Sie in wenigen Worten mit?

Journalistische Frühprägung, internationale Führung, Compliance, Diversity, digitale Pioniererfahrung, Turnaround-Erfahrung und eine große Vision für den ORF als demokratische Infrastruktur.

08 Sind Sie ein ernsthafter Kandidat?

Ja. Gerade weil das Verfahren politisch ist, braucht es ernsthafte Kandidaturen, die nicht aus der gewohnten Binnenlogik kommen.

09 Warum treten Sie an, obwohl Sie nicht als Favorit gelten?

Weil demokratische Institutionen Alternativen brauchen. Wer nur antritt, wenn der Ausgang gesichert ist, verändert nichts.

10 Was unterscheidet Sie von internen ORF-Kandidaten?

Ich bringe Respekt vor dem Haus, aber keine Betriebsblindheit. Und ich schätze den ORF sehr. Meine Perspektive ist unabhängig, international und transformationsorientiert.

11 Ist es ein Nachteil, nicht aus dem ORF zu kommen?

Es ist Risiko und Chance zugleich. Ich kenne das Haus nicht aus Routine, aber genau deshalb bringe ich frische Urteilskraft und Unvoreingenommenheit mit.

12 Sind Sie ein Anti-ORF-Kandidat?

Ich bin ein Pro-ORF-Kandidat. Wer den ORF schützen will, muss ihn modernisieren und weiterentwickeln..

13 Sind Sie ein Kandidat gegen das System?

Ich bin kein Kandidat gegen Menschen. Ich bin ein Kandidat für bessere Verfahren, mehr Transparenz und moderne Führung.

14 Was ist Ihr stärkstes Argument?

Die Verbindung von journalistischer Erfahrung, internationaler Führung, Governance, Compliance, Diversity, Digitalisierung und Transformation.

15 Was ist Ihre zentrale Botschaft?

Der ORF muss Vertrauen nicht einfordern, sondern neu verdienen. Und ich weiß, er kann das ohne große Mühen, wenn das oben gesagt zutrifft.

16 Gehören Sie einer Partei an?

Nein. Ich gehöre keiner Partei an und bin niemandem verpflichtet.

17 Warum betonen Sie Ihre Parteilosigkeit?

Weil der ORF unabhängig sein muss und auch unabhängig wirken muss. Parteilosigkeit allein reicht nicht, aber sie ist ein glaubwürdiger Ausgangspunkt.

18 Sind Sie politisch?

Ich bin ein überzeugter Demokrat mit klarem Wertefundament: Rechtsstaat, Freiheit, Verantwortung, Menschenwürde, Gleichbehandlung und Respekt vor Institutionen. In diesem Sinne, ja.

19 Wo stehen Sie politisch?

Auf dem Boden der liberalen Demokratie und des Rechtsstaats. Für die ORF-Funktion zählt Auftragstreue, nicht Parteizugehörigkeit.

20 Sie kennen viele Politiker. Ist das ein Problem?

Nein, solange man unabhängig bleibt. Ein ORF-Generaldirektor muss mit allen demokratischen Kräften sprechen können, ohne sich einer zuzuordnen.

21 Wie gehen Sie mit politischem Druck um?

Professionell, transparent und standfest. Der ORF muss demokratisch legitimiert sein, darf aber nicht parteipolitisch verfügbar wirken. Und eine sage ich ganz klar: Man kann mich politisch nicht unter Druck setzen. Einige haben es im Laufe meiner Karriere versucht, aber es ist bisher noch niemandem gelungen uns es wird auch niemandem gelingen.

22 Ist der ORF politisiert?

Er steht jedenfalls unter starker politischer Beobachtung und Zuschreibung. Deshalb braucht er Verfahren, die Unabhängigkeit sichtbar machen.

23 Wie verhindern Sie politische Einflussnahme?

Durch transparente Besetzungen, dokumentierte Interessenkonflikte, starke Redaktionsschutzmechanismen, Compliance und persönliche Standfestigkeit.

24 Sind Sie ein PR-Mann?

Nein, das greift zu kurz. Ich war Journalist, internationaler Kommunikationsmanager, CEO, Unternehmer und Unternehmensberater.

25 Ist Kommunikationserfahrung problematisch?

Nur, wenn man Öffentlichkeit manipulieren will. Ich verstehe Kommunikation als Verantwortung für Klarheit, Vertrauen und Wahrhaftigkeit.

26 Was unterscheidet Kommunikation von Journalismus?

Journalismus dient unabhängiger Information. Kommunikation erklärt Interessen. Ein ORF-Generaldirektor muss diesen Unterschied kennen und schützen.

27 Haben Sie genug journalistische Erfahrung?

Ich war fast zehn Jahre freier Journalist, unter anderem bei einer Kärntner Tageszeitung. Recherche, Sprache und Verantwortung kenne ich praktisch.

28 Warum ist dies für Ihre Bewerbung relevant?

Weil sie meine Medienprägung konkret macht. Ich kenne Redaktion nicht nur aus Managementsicht, sondern aus journalistischer Praxis.

29 Was haben Sie als freier Journalist gelernt?

Genauigkeit unter Zeitdruck, Themengefühl, Sprache, Verantwortung und Demut vor Fakten.

30 Welche Bedeutung hatte der Bayerische Rundfunk?

Während des Studiums arbeitete ich im Hörspielbereich des BR mit. Das war eine frühe audiovisuelle Erfahrung mit öffentlich-rechtlicher Qualität.

31 Warum erwähnen Sie ein frühes Musikvideo?

Weil ich mich früh mit neuen medialen Formen beschäftigt habe. Ich war nie nur Verwalter bestehender Formate.

32 Was war Ihre wichtigste Henkel-Erfahrung?

Globale Verantwortung für Marke, Kommunikation, CSR, Reputation, interne und externe Kommunikation sowie Krisenmanagement in einem internationalen Konzern. Und die Erkenntnis, dass man mit einer starken Vision ein Unternehmen mit 52.000 Mitarbeitern

33 Was hat Henkel mit dem ORF zu tun?

Der ORF ist kein Konzern. Aber Führung, Reputation, Governance, Kultur, Krisenfähigkeit und internationale Steuerung sind übertragbare Kompetenzen.

34 Was bedeutet Henkel CEE für Österreich?

Ich war maßgeblich am Aufbau von Henkel Central Eastern Europe als regionalem Hub in Wien beteiligt. Das war internationale Aufbauarbeit aus Österreich heraus.

35 Was war Ihre Rolle bei Hill+Knowlton?

Ich führte eine verlustschreibende Organisation innerhalb von zwei Jahren in die Gewinnzone zurück - ohne Personalabbau, durch höhere strategische Wertschöpfung.

36 Was war Ihre Rolle bei Edelman?

Auch dort gelang innerhalb eines Jahres die Rückkehr in die Gewinnzone - durch Qualität, Führung, Priorisierung und bessere Wertschöpfung.

37 Wollen Sie beim ORF sparen?

Der ORF braucht wirtschaftliche Disziplin, aber keine Sparverwaltung. Transformation heißt: Qualität, Effizienz und Zukunftsfähigkeit gleichzeitig stärken.

38 Können Sie Personalabbau ausschließen?

Seriös kann niemand vor Analyse pauschale Garantien geben. Meine Erfahrung zeigt aber: Gute Transformation beginnt mit Strategie, nicht mit Kahlschlag.

39 Was bedeutet moderne Unternehmenskultur?

Klare Verantwortung, Compliance, Diversity, Gleichstellung, Transparenz, respektvolle Führung und Schutz vor Machtmissbrauch.

40 Warum sprechen Sie so stark über Compliance?

Weil Vertrauen nicht durch Sonntagsreden entsteht, sondern durch Regeln, Verfahren, Konsequenz und überprüfbare Verantwortung.

41 Was bringen Ihre 25 Jahre Deutschland-Erfahrung?

Ich habe in internationalen Unternehmenskulturen gearbeitet, in denen Compliance, Diversity, Gleichstellung und Governance tägliche Führungsstandards waren.

42 Was bedeutet Edelman und Hill+Knowlton für Governance?

Edelman war US-amerikanisch geprägt; Hill+Knowlton war Teil des globalen WPP-Netzwerks. Compliance, Reporting und Governance waren tägliche Managementrealität.

43 Ist der ORF bei Compliance rückständig?

Ich bewerte das nicht pauschal. Ein öffentlich-rechtliches Medienhaus muss aber bei Compliance, Transparenz und Führungskultur höchste Standards erfüllen.

44 Wie stehen Sie zu Diversity?

Diversity ist keine Dekoration. Sie verbessert Organisationen, wenn sie mit Leistung, Verantwortung und fairen Chancen verbunden wird.

45 Wie glaubwürdig sind Sie bei Gleichstellung?

Bei Henkel waren drei meiner vier globalen Top-Führungskräfte Frauen; auch in meinen Teams waren Frauen stets in der Mehrheit.

46 Warum sollte nicht eine Frau Generaldirektorin werden?

Eine Frau kann selbstverständlich eine hervorragende Wahl sein. Meine Bewerbung steht für gelebte Gleichstellung, nicht gegen Frauen.

47 Was ist ORF 2050?

Ein strategischer Entwurf für einen ORF als öffentliche Infrastruktur für Vertrauen, Wissen, Kultur und demokratische Orientierung.

48 Ist ORF 2050 ein fertiger Masterplan?

Nein. Es ist ein Führungs- und Diskussionsangebot: ambitioniert, aber offen für Prüfung, Schärfung und gemeinsame Weiterentwicklung.

49 Warum braucht der ORF eine große Vision?

Weil man eine Institution wie den ORF nicht durch Kleinmut erneuert. Ohne große Idee wird er nur verwaltet.

50 Was ist Ihre wichtigste ORF-These?

Der ORF darf nicht bloß ein Senderverbund mit digitalen Ergänzungen bleiben. Er muss zur Vertrauens-, Wissens- und Bildungsplattform werden.

51 Was heißt öffentliche Infrastruktur für Vertrauen?

Verlässlich informieren, einordnen, verifizieren, bilden, Kultur zugänglich machen und demokratische Orientierung ermöglichen.

52 Was ist das ORF Public Value Lab?

Ein Denk-, Daten- und Dialograum für Zukunftsfragen. Kein politischer Thinktank, sondern eine transparente Plattform für Orientierung.

53 Was ist ORF Lernen?

Ein digitales Bildungsangebot für Schule, Erwachsenenbildung, Medienkompetenz, Demokratiebildung und lebenslanges Lernen. Das in einer sich so rasch verändernden Welt für die Zukunft Österreichs elementar wichtig.

54 Wird der ORF dadurch zu groß?

Nicht, wenn er klar nach Public Value geführt wird. Er soll nicht alles machen, sondern das, was demokratische Öffentlichkeit braucht.

55 Greift das private Medien an?

Der ORF muss fair gegenüber privaten Medien sein. Aber er darf sich nicht aus der digitalen Öffentlichkeit zurückziehen.

56 Wie sehen Sie private Medien?

Respektvoll, fair und kooperationsbereit. Der ORF muss seine Rolle erfüllen, ohne private Medien unnötig zu verdrängen.

57 Was sagen Sie zu ORF.at?

ORF.at darf nicht aus fremden Marktinteressen heraus verkleinert werden. Es muss klar nach Public Value geführt und digital besser werden.

58 Ist der ORF zu teuer?

Die richtige Frage lautet: Erfüllt er seinen Auftrag effizient und zukunftsfähig? Kosten müssen geprüft werden, der Auftrag darf nicht kaputtgespart werden.

59 Wo würden Sie investieren?

In Journalismus, digitale Produktfähigkeit, KI-Governance, Bildung, Archive, Barrierefreiheit, Audio, Regionalität und junge Zielgruppen.

60 Wo würden Sie sparen?

Dort, wo historisch gewachsene Strukturen strategisch nicht mehr ausreichend begründet sind. Konkretes erst nach seriöser Analyse.

61 Wie erreichen Sie junge Menschen?

Nicht durch Anbiederung, sondern durch relevante Formate, mobile Nutzung, starke Hosts, Erklärkompetenz, Social Video, Audio und echte Produktlogik.

62 Ist lineares Fernsehen tot?

Nein. Aber es ist nicht mehr alleiniger Mittelpunkt. Der ORF muss linear stark bleiben und non-linear deutlich besser werden.

63 Was ist Ihre KI-Strategie?

KI nutzen, wo Public Value steigt: Übersetzung, Barrierefreiheit, Archivsuche, Rechercheunterstützung, Krisentraining und Verifikation.

64 Darf KI Nachrichten machen?

KI kann unterstützen, aber nicht verantworten. Journalistische Verantwortung bleibt bei Menschen.

65 Wie gehen Sie mit Deepfakes um?

Mit Verifikation, technischer Kompetenz, Kennzeichnung, Aufklärung und einer starken redaktionellen Fakteninfrastruktur.

66 Was bedeutet digitale Souveränität?

Eigene Daten-, Archiv-, Rechte-, Distributions- und KI-Kompetenz. Der ORF darf nicht vollständig von Plattformen abhängig werden.

67 Warum erwähnen Sie henkel.co.at und den Henkel WWW-Index?

Weil es zeigt, dass ich neue Technologien und deren Einsatzmöglichkeiten früh erkannt, erprobt und praktisch genutzt habe - lange bevor Digitalstrategie ein Modewort war.

68 Was bedeutet Ihre KI-Erfahrung?

Ich habe KI früh als Werkzeug für Simulation, Vorbereitung und Entscheidungsqualität eingesetzt. Genau diese nüchterne Haltung braucht der ORF.

69 Sind Sie zu alt?

Die Frage ist nicht Alter, sondern Energie, Urteilskraft und Transformationsfähigkeit. Ich bringe Erfahrung, Neugier und Veränderungswillen mit. Und ich bei ein paar Monate jünger als der Bundeskanzler ;)

70 Sind Sie zu sehr Deutschland-geprägt?

Ich bin Österreicher, habe aus Wien heraus CEE mitaufgebaut und international gearbeitet. Meine Deutschland-Erfahrung ergänzt meine österreichische Herkunft.

71 Sind Sie zu wenig im ORF vernetzt?

Das ist ein Vorteil für Objektivität. Ich bringe keine ORF-Abhängigkeiten mit, aber Respekt vor dem Haus.

72 Haben Sie Interessenkonflikte?

Alle unternehmerischen Funktionen und Beteiligungen werden im Fall einer Bestellung transparent geordnet oder beendet.

73 Was passiert mit Ihren Unternehmen?

Vor Amtsantritt wird alles rechtlich und organisatorisch so bereinigt, dass volle Verfügbarkeit und keine Unvereinbarkeit bestehen.

74 Was wäre Ihr erster Schritt?

Zuhören, analysieren, Vertrauen aufbauen - und zugleich klar machen, dass Modernisierung kein Schlagwort bleibt.

75 Was wäre Ihr erster Satz an die ORF-Mitarbeiter?

Ich komme nicht, um Sie zu belehren, sondern um gemeinsam mit Ihnen den ORF zukunftsfähig zu machen.

76 Was wäre Ihr erster Satz an das Publikum?

Der ORF gehört seinem Auftrag und seinem Publikum - nicht Parteien, nicht Märkten und nicht internen Routinen.

77 Sind Sie bereit, mit anderen Bewerbern zusammenzuarbeiten?

Ja, wenn es dem ORF dient. Gute Führung nutzt vorhandenes Wissen und bringt die richtigen Menschen zusammen.

78 Wäre eine Generalsekretärin oder ein Generalsekretär denkbar?

Ja, wenn dadurch interne Kenntnis, Unabhängigkeit und Erneuerung klug verbunden werden. Entscheidend ist der Nutzen für den ORF.

79 Haben Sie ein Personalpaket?

Nein. Ich kandidiere nicht mit einem Hinterzimmerpaket, sondern mit einem Konzept und einer Haltung.

80 Was macht ein gutes ORF-Führungsteam aus?

Kompetenz, Unabhängigkeit, Diversität, Leistungsorientierung, ORF-Verständnis und Reformfähigkeit.

81 Wie gehen Sie mit Kritik um?

Sachlich und offen. Kritik ist kein Feind, sondern oft ein Frühwarnsystem.

82 Wie gehen Sie mit internen Leaks um?

Nicht panisch. Ursachen verstehen, Vertrauen wiederherstellen, sensible Prozesse schützen und Transparenz dort erhöhen, wo sie fehlt.

83 Was tun Sie bei einem Compliance-Skandal?

Sofortige Aufklärung, Schutz Betroffener, rechtliche Prüfung, transparente Kommunikation und strukturelle Konsequenzen.

84 Was tun Sie bei einem redaktionellen Fehler?

Schnelle Korrektur, öffentliche Transparenz, interne Analyse und bessere Prozesse.

85 Braucht der ORF eine stärkere Ombudsstruktur?

Ja. Vertrauen entsteht auch durch nachvollziehbare Beschwerde-, Korrektur- und Kontrollmechanismen.

86 Wie messen Sie Erfolg?

Über Vertrauen, Qualität, Nutzung, Vielfalt, Effizienz, digitale Relevanz, Bildungswirkung, Barrierefreiheit und Public Value.

87 Wie viel Management verträgt Journalismus?

Genug, um Qualität, Schutz und Ressourcen zu sichern - aber nie so viel, dass redaktionelle Freiheit übersteuert wird.

88 Darf der Generaldirektor redaktionell eingreifen?

Nicht in einzelne redaktionelle Entscheidungen. Er verantwortet Rahmen, Qualität, Unabhängigkeit und Auftragstreue.

89 Welche Rolle spielen die Landesstudios?

Sie sind ein strategischer Vorteil. Regionalität ist Vertrauens- und Resilienzkapital.

90 Ist der ORF zu wienzentriert?

Diese Gefahr besteht bei jeder nationalen Institution. Deshalb müssen Landesstudios und regionale digitale Angebote gestärkt werden.

91 Welche Rolle spielt Kultur?

Kultur ist kein Nebenprogramm, sondern Gedächtnis, Gegenwart und Identität Österreichs.

92 Welche Rolle spielen Archive?

Archive sind im KI-Zeitalter strategischer Rohstoff: Rechte, Kontext, Erinnerung und Bildungszugang.

93 Welche Rolle spielt Europa?

Öffentlich-rechtliche Medien in Europa sollten stärker kooperieren: Verifikation, Archive, KI-Übersetzung, Bildung und technische Standards.

94 Was sagen Sie zu Unterhaltung?

Unterhaltung ist legitim, wenn sie Auftrag, Qualität, österreichische Kreativität und Publikum ernst nimmt.

95 Wie gehen Sie mit Sportrechten um?

Pragmatisch: Was öffentlich relevant, leistbar und identitätsstiftend ist, muss geprüft werden. Nicht jedes Recht ist um jeden Preis sinnvoll.

96 Was bedeutet Public Value konkret?

Nicht ein Etikett, sondern eine Steuerungslogik: Wofür zahlen Menschen? Was stärkt Demokratie, Wissen, Kultur, Orientierung und Zusammenhalt?

97 Wie verhindern Sie Boulevardisierung?

Durch klare Qualitätskriterien, Trennung von Nachricht und Meinung, keine Empörungslogik und eine starke redaktionelle Kultur.

98 Was ist Ihr Verhältnis zur Kronenzeitung und anderen privaten Medien?

Respektvoll. Private Medien sind Teil der Medienvielfalt. Der ORF muss kooperationsfähig sein, aber seinem eigenen Auftrag folgen.

99 Was tun, wenn ein Medium Ihre Bewerbung lächerlich macht?

Ruhig bleiben, sachlich antworten und die eigene Position erklären. Persönliche Kränkung ist keine Strategie.

100 Warum sollen Menschen Ihnen vertrauen?

Weil ich unabhängig antrete, transparent argumentiere und Führung als Dienst an einer Institution verstehe.